Kolumne Jana_2

Fotos: Jana Walther (8)

Plastik läuft uns im Alltag sehr viel häufiger über den Weg als uns lieb ist. Kolumnistin Jana hat sich deshalb an einen Selbstversuch gewagt.

Die Fastenzeit ist vorüber und viele Menschen haben wieder verzichtet – auf Süßigkeiten, Alkohol, Zucker oder Zigaretten. Auch ich habe mir überlegt, worauf ich im Alltag vielleicht lieber vermehrt die Finger lassen sollte und ziemlich schnell etwas gefunden: Plastik. Im Selbstversuch habe ich mir vorgenommen, eine Woche lang auf dieses viel zu häufig genutzte Verpackungsmaterial zu verzichten. Denn klar ist: der ökologische Fußabdruck von Plastik ist groß und die Verwendung häufig sogar unnötig.

Tag 1 ohne Plastik

Für mich kann ein Morgen ohne Kaffee nur ein schlechter Morgen sein. Wie also an jedem Tag begebe ich mich als erstes in die Küche, um meine Bohnen frisch zu mahlen und mir einen leckeren Cappuccino zu zaubern. Doch Moment mal. Die Kaffeebohnen sind zwar bereits in meinem Automaten, doch vorher waren sie – wie sollte es auch anders sein – eingepackt. Und die typische Verpackung von Kaffeebohnen ist häufig aus Plastik oder zumindest innen mit Kunststoff beschichtet, denn nur so kann das Aroma erhalten bleiben. Mist. Die Fastenzeit ist für mich noch keine zehn Minuten alt und schon die erste Hürde. Doch ich kann schließlich nicht gleich in der ersten Stunde schummeln. Also: Kein Kaffee an diesem Morgen. Stattdessen nur eine Tasse Tee?

Eine nussige Kaffeealternative

Doch Moment mal. Hinten im Schrank versteckt sich eine Packung Lupinenkaffee – und der befindet sich zu meinem Glück komplett in einer Papier-Verpackung. Der Morgen ist gerettet. Lupinen enthalten zwar kein Koffein, doch mit heißem Wasser aufgegossen und mit ihrem milden nussigen Geschmack, kommt die Alternative zumindest ein wenig an mein Lieblingsgetränk heran. Das Beste daran: Lupinen können im Gegensatz zu Kaffeebohnen in Deutschland angebaut werden. Zwei Punkte also für den Lupinenkaffee und ich beschließe, mich später am Tag auf die Suche nach Kaffeebohnen zu machen, die nicht in Plastik gehüllt sind.

Doch zunächst steht noch Haushalt auf dem Programm und ich frage mich, wie ökologisch sinnvoll es nun eigentlich ist, dass ich das Geschirr per Hand abwaschen muss, um keinen Geschirrspültab aus der Plastikfolie zu lösen. Während ich gedankenversunken den Teller abspüle, fällt mir auf, dass das Spülmittel, welches sich bei mir hübsch in einem Glasgefäß auf der Fensterbank macht, vorher natürlich auch in einer Plastiktüte befand. Immerhin ein praktischer Nachfüllpack aber dennoch: erster Fehler. Bei meiner Recherche in den Weiten des Internets stoße ich aber auf einige Anleitungen, wie man seine Geschirrspültabs angeblich ganz einfach selber herstellen kann. Das wird natürlich direkt ausprobiert.

Für selbstgemachte Geschirrspültabs benötigst du:

• 150 Gramm Waschsoda
• 125 Gramm Zitronensäure
• 50 Gramm Spezialsalz für Spülmaschinen
• 4 Esslöffel Leitungswasser

Das Spülmaschinensalz gibt es ohnehin meist in einem Papierkarton zu kaufen, die anderen Zutaten habe ich alle auch in einer Papierverpackung gefunden.

Und so wird‘s gemacht:

Alle Zutaten in einer großen Schüssel miteinander gut vermengen. Die Spülmaschinen-Paste am besten in eine Eiswürfelform aus Silikon geben und mindestens einen Tag lang trocknen lassen. Die Tabs anschließend einfach wie gewohnt nutzen.

Das Gute bei den selbstgemachten Tabs ist nicht nur, dass sie frei von Plastik sind. Du weißt auch ganz genau, was drinsteckt. Die fertigen Tabs aus der Drogerie oder dem Supermarkt können mit ihren zig Inhaltsstoffen echte Chemiekeulen sein. Sollte dir das mit dem Selbermachen doch zu aufwendig sein, halte im Laden Ausschau nach Tabs ohne Plastikverpackung. Die gibt es zum Beispiel von Frosch.

Unverpackt einkaufen gehen

Weiter geht das Experiment „eine Woche ohne Plastik“ beim Einkaufen. Genau wie die meisten Menschen, verschlägt es mich regelmäßig in den Supermarkt. Doch ich kaufe auch gerne in Hofläden oder auf dem Markt ein. An Tag zwei steht ein Besuch auf dem Kieler Wochenmarkt an und dank meines plastikfreien Experiments habe ich endlich mal daran gedacht, genügend Tupperdosen einzupacken. Mit verschiedenen Größen bewaffnet, geht es zum Bio-Schlachter und zur regionalen Hofkäserei. Das mit den mitgebrachten Dosen funktioniert an jedem der Stände super. Die Betreiber kennen das Prozedere, haben gar kein Problem damit, meine Gefäße statt ihrer eigenen Verpackungen zu verwenden. Doch ich stelle fest: Ich scheine unter vielen Markbesuchern eine Ausnahme zu sein. Die meisten nehmen Käse, Fleisch, Gemüse und Co. doch in den Verpackungen mit, die sie am Stand bekommen. Und diese sind mal aus Papier, mal aus Plastik.

Ein Konzept aus Kiel

Die Sache mit den Kaffeebohnen steht noch aus, doch hier auf dem Kieler Wochenmarkt werde ich nicht fündig. Wie gut, dass sich direkt um die Ecke vom Exerzierplatz ein Unverpackt-Laden befindet. Ich muss zu meiner Schande gestehen: Obwohl das Konzept mit den Lebensmitteln zum Selbstabfüllen sogar aus Kiel kommt und bereits seit 2014 besteht, war ich erst einmal in dem Geschäft. Warum eigentlich? Irgendwie war es anscheinend doch zu aufwendig, ich wusste nicht so recht, wie das System Unverpackt-Laden genau funktioniert und dachte mir, die Produkte seien bestimmt alle viel teurer und ich bekomme nachher doch nicht, was ich suche.

Einfacher als gedacht

An diesem Tag betrete ich nun wieder den Laden und seitdem ich das letzte Mal dort war, hat sich einiges getan. Neben der großen Auswahl an Müsli, Nüssen, Reis und Nudeln, die in den länglichen Spendern von den Wänden hängen, gibt es noch viel mehr. Mandelmus, Tahina, Olivenöl, Grappa und Wein, aber auch Seife und Geschirrspülmittel. Das nächste Mal komme ich also mit meinem schönen Glasspender in den Laden und spare mir so den Nachfüllpack aus der Drogerie. Selbst Toilettenpapier kannst du verpackungsfrei mitnehmen – und natürlich finde ich meine heiß ersehnten Kaffeebohnen. Einfach das mitgebrachte Gefäß auf die Waage stellen, Gewicht notieren und dann geht es ans Einfüllen. An der Kasse wird der Kaffee in meiner mitgebrachten Glasdose gewogen und mein notiertes Leergewicht abgezogen – eigentlich ganz einfach, oder? Der nächste Morgen ist gerettet!

Stoffbeutel in Haustürnähe

Die Tage fliegen so dahin und dank meines Großeinkaufs auf dem Markt und im Unverpackt-Laden stehen erst einmal keine größeren Plastikhürden an. Am Wochenende denke ich beim Bäcker endlich daran, meinen Umtüten-Beutel mitzunehmen. Der kommt von einem schleswig-holsteinischen Start-up, das schicke Büddel für den Einkauf beim Bäcker näht. Denn mal ganz ehrlich: Wie kurzlebig sind diese Tüten beim Bäcker bitte? Meist bleiben die Brötchen doch nur für maximal eine halbe Stunde darin – vom Bäcker bis zum Frühstückstisch ist es schließlich kein weiter Weg. Ich habe mir nun fest vorgenommen, den Stoffbeutel in Haustürnähe zu hängen, damit ich ihn künftig nicht mehr vergesse. Auch ein, zwei Tupperdosen kommen ab sofort in die Einkaufstasche und dem Unverpackt-Laden werde ich sicherlich jetzt häufiger einen Besuch abstatten.

Hier kannst du Janas Selbstversuch auch auf Plattdeutsch anhören:

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