Kategorien: Natur & Umwelt - Politik & Gesellschaft

Das Landleben – für viele ein Traum zwischen Sonnenuntergang, wunderschöner Natur und guter Dorfgemeinschaft. Für uns: meistens Alltag. Mal himmlisch ruhig, mal himmelweit weg von allem. Wir aus dem Klönstedt-Team leben gern auf dem Land – aber nicht immer! Deshalb haben wir uns gefragt: Was lieben wir am meisten am Landleben? Und was macht uns regelmäßig wahnsinnig? Hier kommen unsere ganz persönlichen Antworten.
Gitte:
„Das Dorf ist wie eine WhatsApp-Gruppe, aus der man nicht austreten kann.“
Was ich am Landleben liebe: Den Himmel. Ganz ehrlich – ich merke das jedes Mal wieder, wenn ich zuhause aufm Hof bin. Wenn der Tag langsam zu Ende geht, alles stiller wird, und sich über den Feldern dieser riesige Himmel ausbreitet. Manchmal in Pink, manchmal in Grau, manchmal einfach nur groß. Und ich denke: Schön, dass ich das sehen darf. Ohne Häuserwand, ohne Lärm, ohne Ampelblick.
Was ich am Landleben überhaupt nicht mag: Dass hier jede Kleinigkeit die Runde macht. Wirklich jede. Dass hier jeder alles weiß. Wer wann wo mit wem was gemacht hat – und warum das problematisch sein könnte. Und wer mal wieder was falsch gemacht hat. Manchmal hab ich das Gefühl, das Dorf ist weniger ein Ort als eine WhatsApp-Gruppe, aus der man nicht austreten kann.

Anne: „An manchen Tagen lebe ich gefühlt im Auto.“
Ich liebe es, dass wir die Natur direkt vor der Haustür haben: Wiesen, Wald, See. Über diesen Anblick freue ich mich immer wieder – er fühlt sich nie selbstverständlich an. In Kombination mit der Ruhe, die in unserem kleinen Dorf meistens herrscht, bringt das so viel Lebensqualität. Tür auf, Natur an.
Tatsächlich nervt mich das Ganze aber auch manchmal. Natürlich nicht der Wald oder der See an sich, sondern die Tatsache, dass wir so weit ab vom Schuss wohnen, dass man für fast alles ein Auto braucht. Unser Alltag ist oft logistisch kompliziert. Keine Apotheke, kein Supermarkt in der Nähe, von guten Restaurants ganz zu schweigen. An manchen Tagen lebe ich gefühlt im Auto. Und wenn ich dann überlege, wie ich mit drei Kindern einen Arzttermin in der nächsten Stadt organisieren soll, frustriert mich das manchmal ziemlich.

Maren: „Ich war lange ‚die Freundin von‘.“
Ich bin auf einer Insel geboren, deshalb bedeutet das Leben auf dem (Fest-)Land für mich vor allem eines: Freiheit. Spontane Ausflüge in der Region – das war früher undenkbar oder nur mit einer Hotelübernachtung machbar. Heute genießen wir das sehr; auch wenn man hier für alles ein (bzw. sogar zwei) Autos braucht. Was ich nicht so liebe? Es war ziemlich schwer, Anschluss zu finden. Lange war ich einfach nur „die Freundin von“. Erst jetzt, nach 1,5 Jahren, werde ich so langsam als Maren wahrgenommen. Und ja – das klassische Rollenbild (Frau = Mutter) ist hier sehr präsent. Da passe ich nicht so ganz rein. Das spüre ich täglich. Und trotzdem: Ich bin gern hier.

Anna:
„Man atmet wirklich frische Luft.“
Ich schätze am Landleben vor allem die Ruhe und die Luft. Hier in der Stadt merkt man oft gar nicht, wie laut es ist. Dauernd hört man die Autos, Sirenen oder Menschen – egal ob man in der Wohnung oder an der Kiellinie spazieren geht. Sobald ich aber zuhause bin, wird es mir jedes Mal schlagartig bewusst. Das Erste, was ich höre, sobald ich aus dem Auto steige, sind die Vögel und das Rauschen der Blätter. Da fällt auch direkt jegliche Anspannung ab – und man kann tief einatmen und atmet wirklich frische Luft. Das ist eigentlich irre, da nur die Förde zwischen ist und die schlechte Luft oft vor allem von den Schiffen kommt. Dennoch scheint sie in der Stadt eher zu stehen als zuhause. So ist das Nachhausekommen wie ein kleiner Urlaub, den ich jedes Mal sehr schätze.

Die Infrastruktur lässt allerdings zu wünschen übrig. Jetzt, bzw. ab 18 Jahren, ist das nicht mehr so nervig, wie damals als wir jung waren. Wenn wir uns mit unseren Freunden treffen wollten, die in den umliegenden Dörfern mit einer anderen Buslinie gewohnt haben ( KVG vs. VKP), waren wir immer von unseren Eltern abhängig. Fahrradwege gibt es auch wenige, sodass wir auch nicht allein dorthin radeln durften (als wir noch kleiner waren). Die einfachste Lösung war, dass man nach der Schule direkt zu seinen Freunden mitkommen musste, aber da mussten wir auch viel betteln und vor allem ganz oft beteuern, dass wir auch wirklich gewissenhaft die Hausaufgaben machen. Mit dem Alter wurde immerhin das entspannter und man gelangte auch an Unabhängigkeit, sobald wir allein radeln durften – aber im Hellen. Unsere Landstraßen sind alle sehr kurvig und nicht beleuchtet, da kann ich mittlerweile verstehen, dass Eltern ihre Kinder nicht auf der Straße fahren lassen wollen.
Mit dem Führerschein wurde es dann einfacher – solange man jedenfalls das Auto der Eltern haben durfte. Im Vergleich jetzt zur Stadt, wo man gute Busverbindungen hat, die sogar mehr als zweimal täglich fahren, alles aber auch mit Fahrrad und zu Fuß erreichen kann, ist es wirklich sehr viel einfacher Freunde zu treffen – vor allem spontane Treffen sind so einfach umzusetzen.
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