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Ein Hof voller Verantwortung, drei kleine Kinder, volle Felder: Für Kathrin Volquardsen vom Marienhof ist die Erntezeit Ausnahmezustand. Im Interview erzählt sie, wie sie mit einem „Ernte-Au-pair“ Entlastung findet, warum Hilfe kein Makel ist – und was sie sich von uns allen wünscht.
Kathrin, du sprichst in der Erntezeit von einem „Ernte-Au-pair“ – wie bist du auf die Idee gekommen, euch so eine Unterstützung ins Haus/auf den Hof zu holen?
Als wir im Jahr 2021 unser drittes Kind bekamen, war mir klar: Das schaffe ich in der Erntezeit nicht allein mit drei kleinen Kindern. Aus diesem Grund haben wir uns ganz offiziell über eine Agentur ein Au-pair gesucht. Wir haben ein junges Mädchen aus Brasilien gefunden. Leider hat es zwischen uns überhaupt nicht „gematched“. Deshalb ist sie nach drei Monaten wieder nach Hause zurückgekehrt.
Wir sind noch mal in uns gegangen und dachten: „Wir schaffen den normalen Alltag auch ohne Hilfe.“ Aber in der Sommerzeit brauchen wir Unterstützung. So haben wir 2021 einen Aufruf auf Facebook gestartet, in dem wir nach einem Vollzeit-Kindermädchen für die Monate August und September gesucht haben – und wurden fündig. Unser erstes ‚Ernte-Au-pair‘, Feentje aus Oldenburg, ist sogar geblieben: Sie ist mit einem unserer Mitarbeiter zusammengekommen und zu ihm gezogen. Mittlerweile wohnen sie gemeinsam in unserem Mietshaus auf unserem Betrieb.
Wie sieht die Unterstützung konkret aus – was übernimmt das Ernte-Au-pair, was bleibt bei dir/euch Eltern und welche Eigenschaften sollte ein Ernte-Au-pair mitbringen?
Es ist einfach eine wahnsinnig große Erleichterung zu wissen, dass man schnell mal Haus und Hof verlassen kann, weil immer jemand da ist und auf die Kinder aufpassen kann, wenn es mal schnell gehen muss. Einkaufen fahren, Essen zum Feld bringen oder Kleinigkeiten erledigen. Wichtig ist mir, dass die Kinder nicht das Gefühl haben „abgeschoben“ zu werden. Wir sind den ganzen Tag zusammen. So kann sich immer eine von uns zu 100 % auf die Kinder konzentrieren. Bisher waren meine Mädels immer super kooperativ und flexibel. Deswegen war entweder das Au-pair oder ich mit den Kindern zusammen und der andere Part hat dann andere Aufgaben erledigt wie z. B. Mahlzeiten vorbereitet oder eingekauft. Wenn ich nach einem langen Tag die Kinder abends ins Bett gebracht habe, runterkomme und die Küche ist schon aufgeräumt, ist das das schönste, wertschätzendste Gefühl. Die Mädels packen einfach immer und überall mit an. Solche Kleinigkeiten sind in dieser Zeit sehr wertvoll.
Wenn das Au-pair Verständnis für die Landwirtschaft hat und/ oder selbst vom Hof kommt ist das auf jeden Fall ein Vorteil, weil die Akzeptanz der vielen und anstrengenden Arbeit und langen Tage wahrscheinlich eher toleriert wird. Wichtig ist uns aber vor allem, dass die Mädels offen, herzlich und geduldig sind und mit den Kindern und uns auf einer Wellenlänge sind. Man ist in dieser Zeit die ganze Zeit zusammen und nimmt ein neues Familienmitglied mit auf. Das muss menschlich einfach passen.
Was sind für dich die größten Herausforderungen in der Erntezeit als Mutter von drei Kindern – und wie hältst du den Familienalltag trotzdem am Laufen?
Die größte Herausforderung ist der Spagat zwischen Kindern und Küche. Wir verköstigen unsere Mitarbeiter in der Erntezeit komplett. Das hat meine Schwiegermutter schon so gemacht, und ich führe das so fort. Wir schätzen das besondere Miteinander sehr und deswegen steht man in der Ernte wirklich den ganzen Tag in der Küche, sitzt im Auto oder ist auf dem Feld. Kinder und Küche zu kombinieren und den Bedürfnissen der Kinder an so einem Tag ohne Hilfe gerecht zu werden? Unmöglich!
Deswegen haben wir nun seit zwei Jahren (auch außerhalb der Erntezeit) Hilfe in der Küche. Nach Hilfe fragen und Hilfe annehmen – das kann ich mittlerweile gut und kannn es jeder Frau an ans Herz legen. Es ist keine Schande, sich einzugestehen, dass man nicht alles allein schaffen kann – und es macht einen nicht zu einer schlechten Mutter, Ehefrau oder Betriebsleiterin, wenn man Hilfe braucht. Meine oberste Priorität sind unsere 3 Kinder: Wenn sie gut versorgt und ihre Bedürfnisse erfüllt sind, läuft auch der Rest!
Die Kinder dürfen jederzeit auf dem Drescher oder auf dem Trecker mitfahren, das Essen rausbringen oder mir in der Küche helfen. Vielleicht möchten sie aber auch einfach im Garten spielen oder ihre Ruhe haben. Durch ein Au-pair im Haus kann man das ganz gut händeln.
Du lebst mit deiner Familie mitten auf einem Hof mit Ackerbau, Hofladen und Tieren, was schätzt du besonders an diesem Leben? Und was nervt dich manchmal?
Ich schätze die unglaubliche Verbindung zwischen den Landwirten und das starke Gemeinschaftsgefühl in unserer Nachbarschaft und der Gemeinde. Der Platz, die Nähe zum Meer und die Weite, die einem das Gefühl gibt, nicht eingeengt zu sein, fühlt sich einfach befriedigend an.
Andererseits hat „Platz haben“ nicht nur Vorteile. Es ist unglaublich viel Arbeit, vor der man nicht weglaufen kann. Alles muss gehegt und gepflegt werden. Das ist das Gleiche wie mit den Tieren. Wir lieben sie alle wie sie da sind. Aber sie sind eben auch immer da. 24/7 und 365 Tage im Jahr. Man trägt einfach eine unglaubliche Verantwortung. Für Freiräume muss organisiert und geplant werden. Man kann nicht „einfach mal schnell.“
Um ganz ehrlich zu sein: Ich würde mein Leben nie eintauschen wollen. Aber manchmal wünsche ich mir einen Pausenknopf zum Durchatmen.
Was würdest du dir von der Gesellschaft wünschen, damit landwirtschaftliche Familien besser durch die Erntezeit kommen?
Viele Menschen, die nicht aus der Landwirtschaft kommen, können sich nicht ansatzweise vorstellen wie arbeitsintensiv und nervenaufreibend diese Zeit für uns ist. Mein Mann und ich planen alles um die Ernte herum; im August wird sich pauschal nicht verabredet. Es könnte ja sein, dass wir aufs Feld müssen. Da geht’s nur spontan mal los. Das verstehen viele nicht – für uns ist das Alltag. Ich würde mich an dieser Stelle über etwas mehr Verständnis freuen.
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