Ein Säugling wird mit der Flasche gestillt.

Was trinken Frühgeborene, wenn sie Spenderinnen-Milch und nicht die Milch der eigenen Mutter trinken? Richtig – sie trinken Frauenmilch! Und diese sammeln sogenannte Frauenmilchbanken. In diesen Einrichtungen wird die Milch dann aufbereitet und unter anderem Frühgeborenen zur Verfügung gestellt. Denn nicht immer hat die eigene Mutter nach der Geburt gleich genügend Milch, obwohl sie vielleicht stillen möchte. Das kann unterschiedliche Gründe haben – beispielsweise, weil die Mutter gerade selbst Medikamente nimmt. Hier beraten Ärzt:innen und Geburtshelfende dann je nach Situation. Klönstedt-Autor Simon hat sich genauer mit dem Thema beschäftigt.

In meinem Freundeskreis werden gerade wieder viele Kinder geboren. Das finde ich richtig schön. Vor allem die Geschichten darüber, wie die Geburt abgelaufen ist, finde ich so faszinierend und es zeigt mir, wie individuell jede Geburt ist. Von Kaiserschnitt über Wehen einleiten bis zur Frühchen-Geburt ist alles dabei. Wenn ich diese Geschichte höre, habe ich Respekt vor den Müttern, die das geschafft haben. Ich hoffe, dass ich als Mann mit Respekt das richtige Wort gewählt habe. Wenn ich die Geschichten hören, bin ich auch häufig glücklich, dass wir so gut medizinisch versorgt sind.

Nach der Geburt stehen sofort weitere wichtige Fragen an. Eine davon ist: Wie läuft das jetzt eigentlich mit dem Stillen? Und auch hier sind die Antworten so individuell wie die Geburten. Vom ausschließlichen Stillen über Beikost bis hin zu kompletter Formularnahrung. Es gibt viele Gründe, warum ein Kind die Milch der eigenen Mutter nicht bekommen kann. Dazu gehören beispielweise persönliche bewusste Entscheidungen oder aber körperliche und psychische Ursachen. Gerade bei Müttern von Frühchen kommt es häufiger vor, dass sie keine oder nicht genügen Muttermilch geben können.

Hochleistungsmedizin und viel Liebe

Wer einmal eine Frühchen-Station betreten hat, den lassen die herzzerreißenden Bilder nicht mehr los. Die kleinsten Erdenbürger wiegen gerade einmal um die 500 Gramm. Einige Organe sind noch gar nicht richtig ausgebildet und das Atmen fällt den Kleinen schwer. Hochleistungsmedizin und viel Liebe helfen dabei, dass die Frühchen trotz ihres zu frühen Starts gut im Leben ankommen. Und noch etwas hilft dabei, dass sich die Frühchen bestmöglich entwickeln: Muttermilch – auch wenn sie nicht von der eigenen Mutter ist. Unter anderem die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt das Stillen mit Muttermilch. Denn die einzigartigen Bestandteile der Muttermilch bieten unter anderem einen natürlichen Schutz gegen Infektionen und schwerwiegende Darmprobleme. Und hier kommen die Frauenmilchbanken ins Spiel. Es sind solche Situationen, in denen Frauenmilchbanken ein wichtiges Element in der Versorgung von Frühchen sein können.

Eine großzügige Spende

In Deutschland sind etwa 50 Frauenmilchbanken an verschiedene Kliniken angeschlossen. Frauen, die eine überdurchschnittliche Menge Muttermilch produzieren, spenden Jahr für Jahr tausende Liter Milch an Frauenmilchbanken. Mit ihrer großzügigen Geste gewährleisten sie das Überleben zahlreicher Frühgeborener und tragen zu deren optimaler Entwicklung bei. Grundsätzlich kommt jede gesunde Mutter, die einen deutlichen Milchüberschuss hat für eine Milchspende in Frage. Welche Kriterien es zu erfüllen gibt, erklärt am besten die Frauenmilchbank Initiative.

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Geschichte der Frauenmilchbank

Die Ursprünge der Frauenmilchbanken reichen bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts zurück, als in Städten wie Wien, Boston, Lemberg, Magdeburg, Düsseldorf und New York erste Versuche unternommen wurden, bedürftige Säuglinge mit gespendeter Frauenmilch zu ernähren. Das Hauptziel war die Bekämpfung der damals hohen Säuglingssterblichkeit. Die erste Frauenmilchsammelstelle Deutschlands wurde 1919 von der Kinderärztin Marie-Elise Kayser im Krankenhaus Magdeburg-Altstadt gegründet. Im Gegensatz zu anderen Kliniken im Deutschen Kaiserreich warb Kayser auch außerhalb von Kliniken um Spenderinnen und nutzte die Pasteurisierung als kostengünstige Methode, um die Milch haltbar zu machen. Über 100 Jahre nach Gründung der ersten Frauenmilchsammelstellen erlebt das Konzept aufgrund deutlicher wissenschaftlicher Evidenz zur Überlegenheit der menschlichen Milch gegenüber Industrieprodukten ein Comeback, sowohl in Deutschland als auch weltweit. In der DDR wurden Frauenmilchsammelstellen gefördert, so dass viele Frauenmilchbanken in diesem Teil Deutschlands auf eine lange Tradition zurückblicken können.

Erst befremdlich, dann total wichtig

Als ich das erste Mal mit diesem Thema in Berührung gekommen bin, fand ich es irgendwie befremdlich, dass Neugeborene mit Milch einer anderen Mutter versorgt werden. Gerade als Mann hatte ich bestimmt noch mehr Berührungsängste mit diesem Thema. Je mehr ich mich aber damit auseinandergesetzt hatte, desto wichtiger finde ich es, auf diese Institutionen aufmerksam zu machen und desto bewegender finde ich die Geschichten, die wohl dahinterstehen. Welchen Antrieb haben Spenderinnen? Und wie mögen sich die Empfängerinnen der Milch fühlen? Fragen, die ich erstmal nicht beantworten kann, die mich aber total dankbar über die Frauenmilchbanken werden lassen.

Weiterführende Infos zum Thema Frauenmilchbanken und auch sämtliche Standorte findet ihr auf der Seite der Frauenmilchbank-Initiative.

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