Unsere Kolumnistin Sarah hatte eine ganz genaue Vorstellung davon, wie es wohl sein würde, wenn sie zum ersten Mal allein mit ihrer Familie im neuen Haus wäre. Warum es ganz anders kam und sie das trotzdem gut findet, schreibt sie in ihrer neuen Kolumne.

So schön und irgendwie auch romantisch hatte ich es mir vorgestellt: Mein Mann, unser Kind und ich stehen vor unserem Haus, wir schließen unsere Eingangstür zum allerersten Mal auf, betreten das nahezu leere Haus, gucken durch die Räume und freuen uns wie die Schneekönige. Wir machen erste Pläne, machen eine Bestandsaufnahme der Räume und träumen vom zukünftigen Leben im Haus.

Wie es aber immer so ist mit den Vorstellungen, kommt meistens die Realität dazwischen. Der Auszug von Frau Müller stand an. Die freiwillige Feuerwehr des Dorfes und wir standen parat, um zu helfen. Möbel, Kisten und Krimskrams verließen nach und nach das Haus, die Autos, Transporter und Hänger füllten sich, ein Fahrzeug nach dem anderen fuhr vom Hof und plötzlich stand ich allein da. Keine Feuerwehr, kein Mann, keine Frau Müller. Alle waren sie in die neue Wohnung gefahren. Meine Aufgabe war es, alles im Haus zu koordinieren, zu sagen, was mit sollte und was blieb.

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Fotos: Sarah Güttler (4)

Wie ein Eindringling zwischen den fremden Möbeln

Ich streifte also allein durchs Haus, kam mir völlig fremd vor und wie ein Eindringling zwischen all den fremden Möbeln, Teppichen und Kisten. Ich traute mich kaum, mein Handy zu zücken und Bilder zu machen. Obwohl ich gerade solche Situationen gerne im Bild festhalte.

Die helfenden Frauen und Männer kamen und gingen, auch mein Mann kam nochmal zurück, und irgendwann zwischendrin sagte ich zu ihm: „Oh, ich hab‘ gar nicht mitbekommen, dass wir gerade zum ersten Mal allein bei uns im neuen Haus sind.“ „Stimmt!“, kam es zurück und schon musste er wieder los. Das war er also – unser erster gemeinsamer Moment allein im neuen Haus.

Schlüsselübergabe mit mir selbst

Der Tag verging und plötzlich hieß es: „So wir sind durch. Schließt du hier alles ab?“ Abschließen, ja okay, und der Schlüssel? Soll ich den jetzt einfach behalten?! Mein Mann war noch bei Frau Müller in der neuen Wohnung, um Schränke aufzubauen, Bilder anzuhängen und Kisten von a nach b zu stellen. Ich schloss also ab und machte die Schlüsselübergabe mit mir selbst aus.

Und heute? Knapp drei Monate nach dem Umzug sind noch immer viele, viele Sachen von Familie Müller im Haus. Doch mit jedem Hänger Sperrmüll, mit jedem aussortierten und verschenkten Stück, mit jedem leeren Raum fühlt es sich mehr und mehr nach unserem Haus an.

Das alte Wohnzimmer wurde schon zu unserem provisorischen Schlafzimmer. In der Küche stehen neue Schränke und schöne alte Funde aus dem Haus. Das Bad ist geputzt und neu eingerichtet. So langsam kommen wir an in unserem neuen alten Haus. Wir fühlen uns nicht mehr fremd, aber auch noch nicht angekommen. Aber ein klares Bild vor Augen, wie alles mal werden soll, das haben wir nun und das fühlt sich gut an.

Alles braucht seine Zeit

Ob wir traurig sind, dass wir unseren romantischen „neues Haus“-Moment nicht hatten? Nein, dazu sind wir viel zu pragmatisch und dankbar, dass wir das Glück haben, dieses wundervolle Haus besitzen zu dürfen. Und seien wir mal ganz ehrlich, in diesem erdachten Moment hätten wir uns auf keinen Fall plötzlich zuhause gefühlt, geschweige denn verbunden mit dem neuen Haus. Eher wären wir enttäuscht gewesen, dass es nicht sofort Klick gemacht hat und wir das Haus als unser Eigen gesehen hätten.

Alles braucht seine Zeit und so konnten wir uns unserem Haus Schritt für Schritt nähern, es Raum für Raum freilegen und sein Potential erkennen. Ist das nicht das viel schönere Entdecken und Erleben des eigenen neuen Hauses?

Hier gibts den Beitrag noch einmal zum Anhören auf Plattdeutsch:

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