Kategorien: Natur & Umwelt

Das Thema Nachhaltigkeit hat viele verschiedene Facetten. Natürlich gehört da auch der Garten mit dazu – vor allem jetzt im Frühjahr. Was genau nachhaltiges Gärtnern für sie bedeutet, erzählt dir Jana in ihrer neuen Kolumne.

Die ersten Osterglocken schießen aus der Erde, Vogelgezwitscher ersetzt den morgendlichen Wecker und abends ist es auch schon wieder länger hell: Der Frühling kommt mit ganz großen Schritten. Während die Vorfreude auf die wohl schönste Zeit des Jahres stetig steigt, heißt es für mich: Endlich wieder ab in den Garten! Erstmal klar Schiff machen, Laub haken, neue Beete planen, Pflanzen shoppen – und das Ganze gerne bienen- und vogelfreundlich.

Nachhaltig gärtnern: Das bedeutet für mich, seinen Garten im Einklang mit der Natur zu gestalten. Natürlich möchte ich es mir in meiner grünen Oase mal mit einem Stück Kuchen oder bei einer Grillparty mit Familie und Freunden gemütlich machen. Dafür ist so ein Garten ja schließlich da. Doch er soll eben nicht nur schön aussehen, sondern auch der Tier- und Pflanzenwelt Gutes tun, der Natur etwas zurückgeben. Über kahle Steingärten und den Einsatz von chemischem Dünger im nachhaltigen Garten müssen wir glaube ich nicht reden. Doch was macht nachhaltiges Gärtnern eigentlich genau aus? Ist Gärtnern an sich nicht schon nachhaltig genug? Worauf sollte man dennoch Acht geben?

Nicht gleich alles rausreißen

Ganz ehrlich: Ich bin kein großer Rhododendron-Fan. Ihr kennt sie bestimmt auch, diese immergrünen Pflanzen, die gerne Großmutters Garten zieren. So richtig schön fand ich die noch nie. Zudem ist der Rhododendron kein heimisches Gewächs. Zwar blüht er im Frühjahr in kräftigen Farben – doch exotische Pflanzenarten wie dieses asiatische Exemplar haben meist deutlich weniger Pollen und Nektar für unsere Bienenfreunde zu bieten als regionale Pflanzen. Doch deshalb gleich eine gesunde Pflanze rausreißen? Das kann doch nicht nachhaltig sein! Für mich wäre das genau das Gleiche, wenn jemand nur noch fair produzierte Kleidung aus Bio-Baumwolle kaufen möchte und zum Start erstmal alle H&M-Kleider wegwirft und durch Fair-Fashion-Teile ersetzt. Daran ist nun wirklich überhaupt nichts Nachhaltiges zu finden. Die Pflanzen, die nun schon mal da sind, dürfen also bleiben. Das ist ressourcenschonend und – zumindest an meinem Rhododendron bedienen sich im zeitigen Frühjahr reichlich Hummeln.

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Fotos: Jana Walther (7)

Ein reich gedeckter Tisch für Insekten

Doch wer die Wahl hat, neuen Pflanzen in seinem Beet oder auf dem Balkon ein Zuhause zu bieten, der sollte auf heimische Sträucher wie Haselnuss, Schlehe oder Weißdorn sowie besonders insektenfreundliche Blumen zurückgreifen. Am besten auch darauf achten, dass die Pflanzen nicht alle nur im Sommer blühen. Schließlich haben die Insekten auch davor und danach Hunger. Ein reich gedeckter Tisch von März bis Oktober wäre ideal.

Kleine Auswahl bienenfreundlicher Pflanzen (Quelle NABU)

Sonniger Standort
  • Wiesenflockenblume
  • Thymian
  • Katzenminze
  • Zypressen-Wolfsmilch
  • Blauer Lattich
  • Kriechende Hauhechel
  • Steppen-Salbei
  • Liegender Ehrenpreis
  • Wiesenstorchschnabel
  • Gewöhnliche Kugelblume
Halbschatten
  • Wiesensalbei
  • Moschusmalve
  • Wiesenglockenblume
  • Pracht-Nelke
  • Kleines Mädesüß
  • Blutroter Storchschnabel
  • Ausdauernder Lein
  • Ähriger Blauweiderich
  • Großer Ehrenpreis
Schatten
  • Rippenfarn
  • Efeu-Gundermann
  • Akelei
  • Gelbes Windröschen
  • Gewöhnliche Haselwurz
  • Große Sterndolde
  • Gefingerter Lerchensporn
  • Wald-Labkraut
  • Echte Goldnessel
  • Wald-Vergissmeinnicht

Die Brennnessel als Superfood für Raupen und Menschen

Neben dem Rhododendron darf aber noch ein bisschen mehr in meinem Garten stehen bzw. liegen bleiben. Brennnesseln zum Beispiel, denn die sind wichtiges Futter für Schmetterlingsraupen. Es gibt sogar einige Arten wie das Tagpfauenauge oder den Admiral, deren Raupen sich ausschließlich von Brennnesseln ernähren. Sollte dir das mit den Nesseln im Garten irgendwann deutlich zu viel werden, ernte doch einfach welche für dich selbst. Denn sie sind ein echtes Superfood. Ihr Eisengehalt ist sogar höher als im Spinat! Einfach ein leckeres Pesto draus machen oder die jungen Blätter in deinen nächsten grünen Smoothie werfen.

Und wenn du schon die Brennnessel stehen lässt, lass‘ doch auch gleich ein paar Laubhaufen liegen. Das schont nicht nur den Rücken, sondern gibt der Igelfamilie nicht nur im Winter einen gemütlichen Unterschlupf. Dazu kommt in meinen Garten auch eine Schale mit Wasser für die gestachelten Mitbewohner, denn schließlich sind sie nach dem Winterschlaf besonders durstig. Viele Insekten fühlen sich in dem Laubhaufen ebenfalls wohl. Über das Jahr wird dieser dann von zahlreichen Lebewesen abgebaut und in Humus umgewandelt. So bleiben wertvolle Nährstoffe dem Garten erhalten. Auch im Hochbeet gilt die Regel: einfach mal stehen lassen. Gemüse und Kräuter können über den Herbst hinaus ausblühen und stehen so weiter als Nahrungsquelle für Insekten bereit.

Auf Erde ohne Torf setzen

Wer anfängt, Hochbeete zu bauen und neue Beete anzulegen, der kommt meist nicht drumherum, Erde dazuzukaufen. Erschreckend, wie viel davon in so ein scheinbar kleines Hochbeet (eine Anleitung zum Bau findest du hier) passt, selbst wenn schon eine ordentliche Drainage-Schicht aus Ästen und Co. die Hälfte füllt. Beim Kauf der Erde solltest du dann unbedingt darauf achten, dass diese torffrei ist. Warum Torf unbedingt vermieden werden sollte, wenn man nachhaltig gärtnert? Torf ist eine Art Humus, der durch abgestorbene Pflanzen im Moor entsteht. Um diesen abzustechen, müssen die Flächen trockengelegt werden – ein fataler Eingriff in ein einzigartiges Ökosystem. Denn Moore sind weltweit einer der wichtigsten Kohlenstoffspeicher. Laut der Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein sind sie dabei zehn Mal so effektiv wie Wälder. Zudem bieten sie einen einmaligen Lebensraum für Tiere und Pflanzen. Die Moore zu zerstören, nur damit wir uns ein neues Blumenbeet anlegen können, kann einfach nicht richtig sein. Zwar stammt laut Naturschutzbund (NABU) der meiste Torf für die Pflanzenerde aus dem Baltikum, aber auch dort gilt es, die Lebensräume zu schützen. Zumal es auch genug Alternativen ohne Torf gibt. Pass‘ beim Einkaufen aber auf: Auch Bio-Erde enthält manchmal Torf. Und: Torfreduziert ist nicht dasselbe wie torffrei.

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Als erstes hat Jana in diesem Frühjahr im Hochbeet Möhren und Spinat gesät und Knoblauch gesteckt.

Saatgut zum Tauschen und Ausleihen

Auch beim Kauf von Saatgut solltest du auf regionale Sorten achten. Besser noch: Schau doch mal, ob es in deiner Nähe vielleicht eine Saatgut-Tauschbörse oder einen Pflanzenflohmarkt gibt. Mit Glück wirst du auch mal bei Kleinanzeigen fündig. Hier habe ich schon Ableger von Katzenminze und Storchschnabel günstig ergattern können. Ein wie ich finde besonders nachhaltiges Konzept gibt es ganz neu im schleswig-holsteinischen Kropp. Die örtliche Bücherei verleiht nicht nur den neusten Lesestoff, sondern auch saisonales Saatgut. Du kannst dir dort die Samen abholen und die Pflanzen zu Hause über den Sommer anbauen. Wenn die Ernte vorbei ist, trocknest du die Samenkörner aus der Pflanze und bringst diese zurück in die Bücherei, sodass im nächsten Jahr ein:e andere:r in den Genuss kommt – das ist für mich nachhaltiges Gärtnern in Reinkultur!

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