Kategorien: Natur & Umwelt

Keine Frage: Moore sind unglaublich faszinierende Landschaften. Dabei können sie noch sehr viel mehr, als optisch zu beeindrucken. Tatsächlich sind sie echte Klima-Retter. Denn ein Hektar intaktes, nasses Moor speichert sechsmal mehr Kohlenstoff als ein Hektar Wald. Klönstedt-Autorin Jana Walther hat sich mit den Mooren in Schleswig-Holstein genauer auseinandergesetzt.

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enn im Morgennebel die Kraniche über die scheinbar karge Landschaft ziehen und sich das flauschige Wollgras im Takt des Windes wiegt, wirkt das Bild fast schon ein wenig mystisch. Bizarr geformte Bäume ragen aus dem Wasser empor, die feucht glänzenden Torfmoose bedecken den Boden. Faszination Moore. Doch diese einmaligen Feuchtgebiete sind nicht nur besonders in den frühen Morgenstunden schön anzusehen. Als intakte Landschaftsflächen können sie Kohlenstoff binden und sind Heimat zahlreicher Tiere und Pflanzen. Sie leisten somit einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz. Doch sind die Moore entwässert, stoßen sie wiederum massiv Kohlendioxid aus und tragen damit zum Klimawandel bei. Das Moor – ein Ort der Ruhe und Entschleunigung, ein Ort der Entdeckung für Naturliebhaber und ein ganz besonderer Lebensraum mit vielen Facetten.

Das Himmelmoor in Quickborn

Schleswig-Holstein gehört zusammen mit Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Brandenburg, Bayern und Baden-Württemberg zu den moorreichsten Bundesländern. Laut des schleswig-holsteinischen Umweltministeriums bestehen neun Prozent der Landesfläche aus Moorböden – das sind rund 128.000 Hektar. Zu einem der bekanntesten Gebiete gehört das Himmelmoor in Quickborn. Naturidylle trifft hier auf Industriegeschichte. Der vier Kilometer lange Lehrpfad führt mal über weichen Torfboden oder befestigte Holzbohlen, mal entlang der Gleise der alten Torfbahn und dann wieder durch den Birkenwald. Im Sommer schwirren zahlreiche Libellen und Schmetterlinge durch die Landschaft. Auch Kreuzotter und Schlingnatter finden im Himmelmoor ihr zu Hause.

Faszination Hochmoor

Es ist erst ein paar Jahre her, dass in dem Hochmoor noch Torf gestochen wurde. Im Zweiten Weltkrieg übernahmen diese Arbeit Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter. All das erfahren die Besucher, die an den verschiedenen Infotafeln auf den Wegen durch das Gebiet Halt machen. Wer mag, kann sich sogar auf die alte Torfbahn – eine Diesellok aus den 50er-Jahren – begeben. Früher brachte man in den Waggons den auf den Abbaufeldern gewonnen Torf zur Weiterverarbeitung ins Torfwerk. Heute sitzen dort die Touristen und erleben die Faszination der einzigartigen Moorlandschaft bei einer Rundfahrt. Der ehrenamtliche Verein „Torfbahn Himmelmoor“ organisiert die Touren von Frühjahr bis Herbst. Das Himmelmoor ist eines der größten Hochmoore Schleswig-Holsteins. An mehreren erhöhten Aussichtsplätzchen können Besucher den Blick über den Moor-See und die ehemaligen Torf-Abbauflächen schweifen lassen und diese einzigartige Landschaft erleben.

Das Dosenmoor

Das Dosenmoor in Neumünster gehört zu den am besten erhaltenen Hochmooren des Landes. Zudem ist es mit einer Fläche von 521 Hektar das größte Hochmoor der schleswig-holsteinische Jungmoräne. Der Abbau von Torf endete hier bereits in den 70er-Jahren. Seit 1981 steht das Gebiet unter Naturschutz. Während sich in den nasseren Flächen die Feuchtheiden ausgebreitet haben und zur Blütezeit das Moor in ein lilafarbenes Meer tauchen, wechseln sich in den trockeneren Gegenden Birken und Pfeifengras ab. Mit seinen Wanderwegen, Aussichtsflächen und dem Lehrpfad lockt es längst nicht nur erholungssuchende Neumünsteraner an. Von März bis April lassen sich an den Gewässern blaue Frösche beobachten. Der männliche Moorfrosch ruft in dieser Zeit nach seiner Liebsten und wechselt die Farbe, um sie zu beeindrucken. Vier Kranichpaare haben außerdem im Dosenmoor ihre Brutplätze gefunden. Kurz vor der Zugzeit im November versammeln sich bis zu 70 dieser grazilen Vögel in dem Gebiet und schweben nachmittags über die baumlosen Moorflächen.

Das Kaltenhofer Moor

Auch die kleineren, unbekannten Moore wie zum Beispiel das Kaltenhofer Moor bei Eckernförde sind einen Ausflug wert. Zusammen mit dem Stodthagener Wald gibt es hier ein komplexes Landschaftsbild aus Hoch- und Niedermoor zu entdecken. Mehrere gut angelegte Wanderwege führen hindurch. Abseits dieser dürfen umgestürzte Bäume liegen bleiben und liefern als Totholz die Nahrungsgrundlage für zahlreiche Pilze, Insekten und Vögel. Zusammen mit den Gewässern, dem moosbedeckten Boden, den bizarren Formen der umgestürzten Bäume und dem Moorweiher inmitten des Waldes hat dieses Gebiet etwas von einem verwunschenen Ort.

Warum sind Moore so schützenswert?

Intakte Moore sind weltweit einer der wichtigsten Kohlenstoffspeicher. Laut der Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein sind sie dabei zehn Mal so effektiv wie Wälder. Klingt erstmal gut, doch das Problem dabei: Viele der Moorflächen sind entwässert. Ihnen fehlt es an ausreichend Feuchtigkeit, um den neuen Kohlenstoff speichern zu können. Schlimmer noch. Trockengelegte Moore bewirken sogar das Gegenteil und schaden letztendlich dem Klima. Denn sie gasen große Mengen an CO2 und andere klimarelevante Gase durch die Zersetzung des organischen Torfbodens aus. Daher sei die Renaturierung der schleswig-holsteinischen Moore für die Stiftung ein entscheidender Baustein beim Klimaschutz.

Zwölf Pilotregionen

Stand heute besitzt die Stiftung Naturschutz 29.400 Hektar Moorfläche, die sie schützt und wieder ihrer wichtigen Aufgabe – der Vermeidung von Treibhausgasemissionen, dem Speichern von CO2 und dem Erhalt der Artenvielfalt – zuführt. Seit Ende 2020 werden gezielt Moorflächen für den Klima- und Biodiversitätsschutz durch die Stiftung gesichert. Dazu bietet sie Landeigentümern an, ihnen die sogenannten „Vernässungsrechte“ für die Moorflächen abzukaufen. So werden diese Moore – die sich weiterhin im Privatbesitz befinden – ebenfalls wieder ihrer originären Aufgabe, dem Klimaschutz, zugeführt. Dieser Ansatz wird derzeit in zwölf Pilotregionen Schleswig-Holsteins erprobt.

Umweltprogramm des Landes soll Moore schützen

Das schleswig-holsteinische Umweltministerium hat die Bedeutung der Moore für den Klimaschutz erkannt. „Entwässerte Moorböden sind deshalb in so starkem Maße klimarelevant, weil durch die Entwässerung und Nutzung Sauerstoff in den Boden gelangt, wodurch ein mikrobieller Zersetzungsprozess des Torfs in Gang gesetzt wird. Dies führt wiederum zur Freisetzung von Treibhausgasen in großem Umfang“, heißt es im Jahresbericht zur biologischen Vielfalt. Durch die Wiedervernässung von intensiv genutztem Grünland auf Moorböden sollen Kohlendioxidemissionen in Höhe von 20,6 Tonnen Kohlendioxid-Äquivalente pro Hektar und Jahr reduziert werden. Zusammen mit der Stiftung Naturschutz sollen bis 2030 etwa 700.000 Tonnen und bis 2040 eine Million Tonnen Treibhausgase eingespart werden.

2011 hat das Land außerdem ein Programm zum Schutz und zur Regeneration der Moore verabschiedet. Für die Umsetzung des Programms wurde der sogenannte Moorschutzfonds bei der Stiftung Naturschutz eingerichtet. In den Fonds fließen regelmäßig Ausgleichsgelder vom Land, die beispielsweise bei Bauvorhaben in den Gebieten als „Ersatz“ gezahlt werden müssen – seit 2011 rund neun Millionen Euro. Unabhängig davon hat das Land für Moorschutz im Sinne des biologischen Klimaschutzes rund zwölf Millionen Euro zur Verfügung gestellt.

MoorFutures

Darüber hinaus gibt es noch eine weitere Initiative im Land, die die Moore schützen sollen. Durch den Kauf von freiwilligen Klimaschutzzertifikaten, den so genannten „MoorFutures“, ist zum Beispiel die Wiedervernässung des Königsmoores bei Rendsburg finanziert worden. Das Projektgebiet umfasst zwei 68 Hektar bzw. 28 Hektar große Teilflächen im Königsmoor in der Gemeinde Christiansholm. Sie sind Teil des insgesamt 1.200 Hektar großen Hochmoores, welches im Laufe des 20. Jahrhunderts durch Gräben und Drainagen stark entwässert wurde, um sie als Grünland intensiv nutzen zu können. „Mit dem Erwerb der Flächen hat die Stiftung Naturschutz im ersten Schritt auf extensive Nutzung ohne Düngung und Grünlandpflege umgestellt. Um die negativen Wirkungen der Entwässerung – vor allem die Zersetzung des Torfs und damit den Ausstoß klimaschädlicher Gase – zu verhindern, folgt im zweiten Schritt eine Vernässung und Renaturierung des Moores“, betont Karen Marggraf, zuständig für MoorFutures bei der Stiftung Naturschutz. Erfolge sind bereits zu sehen: Die ersten Torfmoose wachsen wieder in dem Gebiet. Auch Kiebitz, Wachtelkönig, Tüpfelsumpfhuhn und Moorfrosch fühlen sich hier wieder wohl.

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