Kategorien: Natur & Umwelt

Auf dem Hof Wolbring ist die gesamte Ernte für dieses Jahr eingefahren. Auch die Kartoffeln sind inzwischen eingelagert. Auf dem Weg dorthin gab es im jahreszeitlichen Ablauf viel zu tun. Was vom Legen im Frühjahr bis jetzt im Herbst passiert ist, erklärt Dorothee in ihrem neuen Beitrag.

Die Erntezeit war in diesem Jahr hitze- und trockenheitsbedingt früher als im vergangenen Jahr. Sowohl die Mais- als auch die Kartoffelernte fiel in den September. Wir hatten zum Termin des traditionellen Erntedankfestes, das immer am ersten Sonntag im Oktober gefeiert wird, bei uns auf dem Hof die Ernte „schon eingefahren“, das heißt alle Felder abgeerntet.

Anhand unseres Kartoffelanbaus möchte ich euch den jahreszeitlichen Ablauf veranschaulichen und euch vermitteln, wie die Landwirtschaft von den Gegebenheiten der Natur, des Wetters und der Verbraucher:innen-Nachfrage abhängig ist.

Arbeiten im Frühjahr

In meiner 2. Kolumne habe ich euch schon gezeigt, welche Arbeiten im Frühjahr bei unserem Kartoffelanbau anfallen. Spätestens Mitte April sind die letzten Pflanzkartoffeln einzeln in den Boden gelegt worden und jede beginnt dann, zu einem Kartoffelstrauch heranzuwachsen. Diese sogenannten „Mutterkartoffeln“ sterben im Laufe des Wachstumsprozesses der neuen Kartoffeln ab.

Ein Bodenherbizid bringen wir kurz vor dem Durchstoßen der Kartoffeldämme mit unserer Pflanzenschutzspritze aus, damit die Kartoffeln konkurrenzlos wachsen können. So verhindern wir, dass die Kartoffeln vom Beikraut überwuchert werden und dann unter Licht-, Nährstoff- und Wassermangel leiden würden. Alternativ könnten wir auch in mehreren Arbeitsgängen die Kartoffeln mechanisch oder von Hand vom schon aufgelaufenen Beikraut befreien.

Künstliche Bewässerung in trockenen Jahren

Nachdem die Kartoffeln oberirdisch einen Strauch gebildet haben und anfangen, ihre Blüten zu bilden, wachsen unten im Damm die kleinen Kartoffeln heran. Zu diesem Zeitpunkt ist es enorm wichtig, dass der Kartoffelpflanze ausreichend Wasser zur Verfügung steht. Ist das nicht der Fall, setzt die Pflanze nur wenige Kartoffeln an und der Ertrag ist gering. Um dem entgegenzuwirken, haben wir die Möglichkeit, bei uns eine künstliche Bewässerung einzusetzen, das heißt wir beregnen mit Brunnenwasser.

Ein trockenes Jahr hat den Vorteil, dass die Kraut- und Knollenfäule bei den Kartoffeln nicht so häufig auftritt. Das ist eine Pilzkrankheit, die zunächst die Blätter der Kartoffelpflanze bei feucht-warmer Witterung befällt, das Laub dann abstirbt und die Kartoffeln nicht weiterwachsen. Meistens sind auch die Kartoffeln im Damm befallen, die dann verfaulen. Schlimmstenfalls kann ein ganzes Feld davon betroffen sein. Die Kartoffeln können in der Folge nicht eingelagert werden und wir hätten keinen Wintervorrat.
Aus diesem Grund führen wir regelmäßige Fungizidmaßnahmen gegen diese Pilzkrankheit durch. Das Laub wird geschützt und die Pilzsporen können sich nicht auf die Kartoffeln ausbreiten.

Unterschiedlicher Ernteverlauf

Die bisher beschriebenen Arbeiten gelten sowohl für den Anbau unserer Industriekartoffeln, die zu Pommes frites verarbeitet werden, als auch für unsere Speisekartoffeln. Unterschiede gibt's dann im weiteren Ernteverlauf.

Heutzutage holen wir die Kartoffeln mit einem Kartoffelvollernter aus dem Boden. Pflugschare zerteilen den Boden und die Kartoffeln werden auf einem Siebband nach oben transportiert. Dort stehen Helfer:innen, die von Hand beschädigte Kartoffeln, Fremdkörper (z. B. Plastik, Glas, Tennis- und Golfbälle, Schrott u. v. m.), Steine und Äste grob aussortieren. Die Kartoffeln werden in einem Bunker gesammelt und dann mit einem Förderband auf die Transportfahrzeuge geladen und zum Hof gebracht.

Die Ernte der Industriekartoffeln beginnt erst Mitte Juli. Diese sortieren wir bei uns auf dem Hof an einer Verladestation maschinell nach Größe und befreien sie nochmals von Hand sehr genau von Fremdkörpern. Die Verladung erfolgt auf LKW, die die Kartoffeln zu einer Fabrik bringen, die sie zu Pommes frites verarbeitet.

Während der Corona-Pandemie konnten wir merken, dass der Kartoffelverbrauch für die Pommes frites-Verarbeitung stark rückläufig war und wir ohne Abnahmeverträge unsere Ware vielleicht nicht hätten vermarkten können. Die Direktvermarktung unserer Speisekartoffeln hat sich in dem Zeitraum erhöht, da die Verbraucher:innen zu Hause mehr selbst gekocht haben.

Die Ernte unserer Speisekartoffeln erfolgt schon ab Mitte Juni. Diese ersten Kartoffeln bezeichnet der Handel als „Frühkartoffeln“. Sie sind noch nicht vollkommen ausgereift, das heißt ihre Schale ist noch nicht fest und man kann diese noch mit einer Bürste abschrubben.

Der Herbst als optimaler Erntezeitpunkt

Im Laufe des Sommers stirbt das Laub der Kartoffelpflanze ab und die Kartoffel wird schalenfest. Wenn die Temperaturen dann zu Beginn des Herbstes sinken, ist der optimale Erntezeitpunkt für unsere Speisekartoffeln erreicht.
Die ältere Generation bezeichnet die Herbstferien auch als „Kartoffelferien“ , da die Kinder dann Zeit hatten, bei der Kartoffelernte zu helfen und so Geld verdienen konnten. Die, von einem Kartoffelpflug aus dem Boden gerodeten Kartoffeln, wurden dann von Hand in Körben eingesammelt.
Um unseren Kund:innen das ganze Jahr über eine gleichmäßig gute Qualität der Speisekartoffeln zu bieten, lagern wir sie in einem Kühllager. Sie werden dann nach Bedarf herausgenommen, nochmals von Hand sortiert und in verschiedenen Packungsgrößen abgepackt.

Verändertes Konsumverhalten

Am Konsumverhalten unserer Kunden in den 30 Jahren der Direktvermarktung können wir erkennen, dass in den Haushalten Kartoffeln weniger bevorratet und, dass auch verstärkt Alternativen zur Kartoffel eingesetzt werden. Während in der Anfangszeit noch hauptsächlich 25 kg und 12,5 kg Plastik-Säcke verkauft wurden, dominieren heute die 2,5 kg und 5 kg Papiertüten. Der Aufwand und die Logistik, um die gleiche Menge wie früher zu vermarkten, wird dementsprechend mehr.

Wenn wir heute Erntedank feiern, bin ich stolz und glücklich darüber, dass wir unseren Kartoffelanbau mit pflanzenbaulichem Verstand und von ganzem Herzen betreiben können. Wir bieten ein nachhaltiges, gesundes Lebensmittel, welches durch unsere Kund:innen wertgeschätzt wird.

Ausflugstipp: Besichtigung des Speicherkraftwerks

Du hast Lust, Dorothee und den Hof Wolbring kennenzulernen? Dann buch hier über die App aufs Land eine Besichtigung des Speicherkraftwerks auf dem Hof Wolbring! Zusätzlich erfährst du auch etwas über den landwirtschaftlichen Betrieb mit Bullenmast, Getreide- und Kartoffelanbau.

Hier gibt’s den Beitrag noch einmal auf Platt für die Ohren:

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