Skiurlaub und Christmette, Gulasch und Rum-Rosinen, vorher entdeckte und plötzlich verschwundene Geschenke – Unsere Autorin Dorothee erinnert sich an Weihnachten mit Traditionen, Familienzeit, Bescherung und Leckereien. In ihrer Weihnachtskolumne hat sie ihre persönlichen Erlebnisse für dich aufgeschrieben und verrät dir, welches Lied sie besonders mit der Stimmung der Feiertage verbindet.

Text & Fotos: Dorothee Bienheim-Wolbring

WEIHNACHTEN – das Fest der Besinnung, des Mitgefühls und der Familie! Wie sich das als Kind für mich anfühlte, wie wir es als Familie erlebten und was ich heute damit verbinde, davon erzähle ich dir hier: 

Weihnachten als Kind

Die Weihnachtszeit ist für mich eine schöne Zeit, auf die ich mich freue, heute anders als früher. In meiner Kindheit war für mich der Heiligabend das größte Erlebnis an Weihnachten. Ich glaube, dass es daran lag, dass ich als Einzelkind aufwuchs und den Stress mit Geschenke-Neid zwischen Geschwistern nicht kannte. Weiterhin konnte ich mich auch nicht auf eine große familiäre Weihnachtsfeier am 1. oder 2. Weihnachtstag mit vielen Cousins und Cousinen bei uns auf dem Hof freuen, da die Geschwister meines Vaters kinderlos waren.

In den ersten Jahren meiner Kindheit lebten meine Großeltern und Großtante auch noch mit in unserem Mehrgenerationenhaushalt. Die ledige Schwester meines Vaters – meine Patentante – kam meist von weit her angereist, um die Weihnachtstage mit ihrer Familie zu verbringen. Ich kann mich daran erinnern, dass ich mich schon Tage vorher auf den Besuch meiner Tante freute und schon ganz gespannt auf das Hupen ihres VW Käfers wartete.

Meine Mutter und meine Tante schmückten am „Heiligmorgen“ im Weihnachtszimmer  – das durch eine Schiebetür von unserem „Alltags-Wohnzimmer“ getrennt war – zusammen den Baum und bauten die Krippe auf.

Mein Vater fuhr mit mir dann noch los, um die Geschenke für die beiden zu besorgen. Ich kann mich noch gut an die Orchideenblüte im Glas erinnern, die ich jedes Jahr meiner Tante geschenkt habe. Für meine Mutter war es eigentlich immer etwas „Praktisches für den Haushalt“, u. a. Toaster, Eierkocher, Kaffeemaschine, usw.

Weihnachtsleckereien 

Das Abendessen wurde von meiner Tante vorbereitet, die es sich nicht nehmen ließ, an diesem Tag für ihre Familie zu kochen. Es gab „Pasta Schutta“ – eine Eigenkomposition, bei dem Rindergulasch mit jeder Menge frischer Paprika und Zwiebeln angebraten und dann stundenlang köcheln musste. Den herrlichen Duft, der dann in der Küche herrschte, habe ich bis heute noch in der Nase. Ich lauschte ihren Erlebnissen, da sie viel von ihrer Arbeit als Krankenschwester u. a. in Basel, Berlin, Köln und Aachen erzählte. Das war für mich eine so andere Welt, nicht vergleichbar mit der landwirtschaftlichen Blase, in der ich aufwuchs.   

Den Weihnachtskuchen backte meine Mutter, eine Brandteigtorte, gefüllt mit Sahne und Preiselbeeren. (Das Rezept findest du in unserem „Rezepte"-Highlight bei Instagram.) Am späten Nachmittag ging es für meine Eltern noch in den Stall. Am Abend gegen 20 Uhr, wurde zunächst gemeinsam gegessen, dann gingen wir ins „Weihnachtszimmer“ und sangen Weihnachtslieder. Nach der Bescherung saßen wir noch bis spät in die Nacht zusammen.

Der Heiligabend, war für mich wirklich etwas „Besonderes“. Die Familie gemeinsam im Weihnachtszimmer, es herrschte eine gemütliche, friedliche, ruhige, festliche Stimmung begleitet von leckerem Essen, vielen Überraschungsgeschenken, individuell zusammengestellten Weihnachtstellern mit leckeren Süßigkeiten, u. a. Schokolade und nur für die Erwachsenen Rum-Rosinen…

Das verschwundene Geschenk 

Eine Anekdote, die mich an „Weihnachten bei den Hoppenstedts“ erinnert, möchte ich euch nicht vorenthalten: Die geschenkte Krawatte für meinen Opa war nach der Bescherung nicht mehr auffindbar. Sie war irgendwie mit dem ganzen Geschenkpapierwust  in der Mülltonne gelandet. Darüber haben wir uns jahrelang immer noch an Heiligabend amüsiert. 

Weihnachten mit eigener Familie 

Mit dem Kennenlernen meines Mannes und der Einheirat auf den Hof änderte sich so einiges in meinem „Weihnachtserleben“.  Wir halten an einigen Traditionen fest, eine große Rolle spielen aber auch die Vorlieben unserer Familie. Beispielhaft dafür steht unser Weihnachtsbaum, der seinen Standort zunächst alle 2 Jahre wechselte. Erst seitdem wir uns 2002 einen neuen Krippenstall mit Figuren gekauft haben, die einige Jahre lang zu einer beträchtlichen Sammlung erweitert wurde, hat er seinen endgültigen Platz gefunden.

Das traditionelle Schmücken zur Adventszeit habe ich zusammen mit meiner Schwiegermutter gemacht. Wenn die Kinder mittags aus der Schule kamen, konnten sie oft neue Ideen an Türen, Schränken, Fenstern oder der Treppe bewundern. „Wann fängst du an mit Schmücken?“ ist die Frage um diese Zeit, wenn wir miteinander telefonieren. Während ich diese Zeilen schreibe, warte ich noch auf einen Motivationsschub, der mich dazu bringt, alle Kartons aus dem Keller nach oben zu bringen und anzufangen. Ich weiß, dass es mich jedes Jahr glücklich und zufrieden macht, wenn allerlei weihnachtlicher Krimskrams überall verteilt ist und die Räume weihnachtlich geschmückt sind.

Die Heiligabende waren im Laufe der Jahre auch sehr abwechslungsreich. Unsere beiden Mädchen spielten ein Instrument und ich singe im Kirchenchor unserer Gemeinde. Am Heiligabend war es für uns einige Jahre selbstverständlich, im Kindergottesdienst und in der Christmette mitzuwirken. Das war eine Herausforderung für uns als Familie. In der rückwirkenden Betrachtung können wir darüber schmunzeln, an dem Tag selber fanden mein Mann und ich es superanstrengend.

Heiligabend mit Verpflichtungen 

Stallarbeit und Essen (Raclette) vorbereiten mussten um 15 Uhr erledigt sein, da dann der Kindergottesdienst um 16 Uhr begann. Um einen Sitzplatz zu bekommen, mussten wir inklusive Oma um 15:15 Uhr in der Kirche sein. Bei Verlassen der Kirche nach dem Kindergottesdienst kamen uns schon die ersten Besucher der Christmette, die um 18:00 Uhr anfing, entgegen. Meine Familie fuhr dann ohne mich nach Hause, da ich ja mit dem Kirchenchor in der Christmette gesungen habe.  

Als ich dann nach Hause kam, war die Aufregung vor der Bescherung dann schon ziemlich groß und die Laune bei allen Beteiligten nicht mehr ganz so besinnlich ... Trotzdem haben wir es noch geschafft, das gemeinsame Raclette-Essen ruhig zu genießen. Bis zur Bescherung war es ja dann nicht mehr so lang, die konnte aber nicht stattfinden ohne vorher Weihnachtslieder gesungen zu haben, so wie ich es von zu Hause kannte. 

Bescherung mit Überraschungen 

Nachdem wir uns alle „Frohe Weihnachten“ gewünscht haben, ging es zum Geschenkeauspacken über. Oft waren es Überraschungen, mit denen die Kinder nicht gerechnet hatten. Das Playmobil-Puppenhaus für die Mädchen gehörte auf jeden Fall nicht dazu. Ich hatte dieses gebraucht erstanden und auf unserem Dachboden zwischengelagert. Irgendwie hatten die Mädchen davon aber eine Ahnung gehabt und es vorher schon aufgespürt. Am Heiligabend haben sie es sich aber nicht anmerken lassen, erst ein paar Jahre später haben sie uns von dem Fund erzählt. 

Weihnachten im Skiurlaub 

Danach folgten einige Jahre, in der wir Weihnachten als Familie im Skiurlaub in Österreich verbracht haben. Es waren immer die Familien-Urlaube, in denen wir nur unter uns waren. Ich habe diese Zeiten sehr genossen, da wir uns als gemeinsames Weihnachtsgeschenk eine Pension oder Hotel gegönnt und uns haben verwöhnen lassen.

Weihnachtsstimmung 

Für mich bedeutet Weihnachten heute, dass die Menschen ihr Herz für alles, was sie erreichen soll, öffnen. Ich empfinde diese Stimmung mit dem Lied „Stille Nacht, heilige Nacht“, welches am Ende der Christmette in der dunklen Kirche gesungen wird:

Stille Nacht, heilige Nacht!
Alles schläft, einsam wacht
nur das traute, hochheilige Paar.
Holder Knabe im lockigen Haar,
schlaf in himmlischer Ruh,
schlaf in himmlischer Ruh. 

Stille Nacht, heilige Nacht!
Gottes Sohn, o wie lacht
Lieb aus deinem göttlichen Mund,
da uns schlägt die rettende Stund,
Christ, in deiner Geburt,
Christ, in deiner Geburt. 

Stille Nacht, heilige Nacht!
Hirten erst kundgemacht,
durch der Engel Halleluja
tönt es laut von fern und nah:
Christ, der Retter, ist da,
Christ, der Retter, ist da!

Was bedeutet Weihnachten für dich? Welche Erlebnisse und Traditionen verbindest du mit dem christlichen Fest? Gibt es Gerüche, Dekorationen, Speisen, Süßigkeiten oder Musik, die dich besonders an die Advents- und Weihnachtszeit erinnern? Lass uns gerne deine Gedanken in den Kommentaren da.

Teile es mit deinen Freunden!

Wie kann ich Klönstedt unterstützen?

Das ist ganz einfach. Es sind die vielen kleinen Taten, die Klönstedt groß werden lassen. Melde dich zum Newsletter an, folge uns auf Instagram, lies unsere Artikel, schau unsere Videos, oder nimm an unseren Dorftreffen teil. Neben all der Liebe, die in diese Inhalte und Veranstaltungen fließt, kostet die Herstellung der Inhalte auch Geld. Damit Klönstedt auch weiterhin nur wenig Werbung zeigen muss, benötigen wir finanzielle Unterstützung von euch. Wir informieren euch bald über eine neue Möglichkeit, wie ihr Klönstedt auch finanziell unterstützen könnt.