Alle drei Jahre prämiert das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) in seinem bundesweiten Wettbewerb Dörfer, die sich durch ein besonderes Dorfleben und ihre kreativen Ideen hervorheben. Wobei es sich dabei genau handelt, erzählen wir dir am Beispiel der Gemeinde Bötersen in Niedersachsen, die mit Gold prämiert wurde.

Was macht ein Dorf attraktiv? Ein schönes Erscheinungsbild, eine gute Dorfgemeinschaft, soziale Einrichtungen, Infrastruktur. Klingt logisch. Und diese Liste ließe sich sicherlich noch um viele Punkte erweitern und jede:r würde einen anderen Schwerpunkt setzen. Aber was braucht ein Dorf wirklich, damit sich seine Einwohner:innen wohlfühlen und damit es gut für die Zukunft gewappnet ist? Herausragendes bürgerschaftliches Engagement, kreative Ideen und zukunftsweisende Konzepte. Darüber verfügen zumindest die Dörfer, die das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft in seinem bundesweiten Wettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“ alle drei Jahre auszeichnet. Eines von acht Golddörfern aus dem vergangenen 26. Bundeswettbewerb ist das niedersächsische Bötersen im Landkreis Rotenburg an der Wümme.

Einwohner:innen mit ähnlichen Interessen

Wir machen zunächst einen kleinen Schritt zurück ins Jahr 2014. Damals gab es in Bötersen zwar viele Vereine und jeder kannte jeden – ein echtes Wir-Gefühl gab es trotzdem nicht. „Die Gemeinde besteht aus drei Ortsteilen, die in den 1970ern zusammengelegt worden sind“, erklärt Jan Hendrik Müller. „Es war nicht mehr so viel los. Bötersen liegt mittig zwischen Bremen und Hamburg, das heißt, dass die Leute schnell wegkommen und gerade die Jüngeren hat es abends in die Metropolregionen gezogen, anstatt mal hier im Dorf zu bleiben. Wir haben aber durchaus unser Potential gesehen und gesagt, wir versuchen das mit dem Wettbewerb und gucken, was passiert.“

Initiator für die Teilnahme am Wettbewerb war Cord Trefke, seit vergangenem Jahr auch Bürgermeister von Bötersen. Gemeinsam mit weiteren motivierten Einwohner:innen, zu denen auch Jan Hendrik gehört, schaffte er Strukturen rund um ein Orga-Team, die parallel zum Gemeinderat liefen, um einfacher mit Interessierten kommunizieren zu können. „Im Dezember 2014 haben wir dann eine Bürgerversammlungen abgehalten, um alle mit ins Boot zu holen. Dabei haben wir festgestellt, dass es viele Einwohner:innen gibt, die ähnliche Interessen und Lust dazu haben, Sachen anzupacken.“

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Fotos: Jan Hendrik Müller (7)

Bildung von Arbeitsgruppen

Aus den Interessen entstanden gleich mehrere Arbeitsgruppen: Zum Beispiel die „Wir tun was für Bienen“-Gruppe, die Blühstreifen kreiert, bienenfreundliche Pflanzen verkauft und Interessierte dabei unterstützt, im eigenen Garten eine Blühwiese anzulegen. Oder die „Neubürger-Begrüßung“, bei der neuen Einwohner:innen ein Besuch abgestattet wird, um ihnen zu erzählen, was in Bötersen los ist, wie sie sich auch einbringen können und Anschluss finden. Die Gruppe „Kunst & Kultur“ trifft sich, um gemeinsam kreativ zu sein, veranstaltet kulturelle Feste und kümmert sich um den Erhalt der Denkmäler in der Gemeinde. Neben diesen Arbeitsgruppen entstanden noch viele weitere mit unterschiedlichen Aufgaben, die du hier findest.

Nach der Bildung der einzelnen Arbeitsgruppen waren Jan Hendrik und die anderen Mitglieder des Orga-Teams sehr beeindruckt: „Da war eine großartige Motivation und jeder hat seine Stärken eingebracht. Wir sind seitdem ungefähr 200 Personen, die sich relativ konstant engagieren. Und wenn man mal überlegt, dass Bötersen etwas mehr als 1000 Einwohner:innen hat – mit Kindern, sehr alten Menschen und Leuten, die keine Lust dazu haben – dann ist das schon ein großer Teil, der sich einbringt.“

Bötersen

Das Orga-Team: Jan Hendrik Müller, Hannelore de Vries, Cord Trefke, Jana Hoops, Andreas Bühring und Susanne Cordes (v. l.).

Ein unerwartetes Leuchtturmprojekt

In Niedersachsen läuft der Wettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“ auf drei Ebenen ab. 2015 fand die Kreisebene statt, 2018 folgte der Landeswettbewerb. Zur gleichen Zeit entstand ein weiteres zunächst nicht geplantes Projekt, das sich zum Leuchtturmprojekt für Bötersen im Rahmen des Wettbewerbs entwickelte. Bei der ersten Bürgerversammlung 2014 waren sich alle einig, dass der kleine inhabergeführte Dorfladen für den Ort unverzichtbar war. Aus persönlichen Gründen wurde er jedoch im Oktober 2017 geschlossen. „Wir standen dann ohne Laden da. Man muss aber immer fünf Kilometer fahren, um zum nächsten Lebensmittelhandel zu kommen. Wir haben dann eine Bürgerinitiative gegründet und daraus ist unser Dorfladen entstanden“, erklärt Jan Hendrik.

Zum Klönschnack in den Dorfladen

Nach vielen Treffen, Planung und Arbeit eröffnete der unabhängige freie Dorfladen als Unternehmergesellschaft im Spätsommer 2019 – von Bürger:innen für Bürger:innen. „Der externe Berater hat damals gesagt, einen Laden zu gründen ist eine Sache, aber den dann auch am Laufen zu halten noch mal eine ganz andere“, sagt Jan Hendrik. „Aber das wurde tatsächlich geschafft, der Laden wird akzeptiert. Wir persönlich können mit ihm zu 90 Prozent unseren täglichen Bedarf decken.“ Das Sortiment im 160 Quadratmeter großen Laden wird möglichst regional gehalten – örtliche Imker liefern den Honig, Landwirte Eier und Käse. Zudem gibt es aber auch alle Lebensmittel und Artikel des täglichen Bedarfs sowie saisonal wechselnde Waren. Im gemütlichen Café-Bereich treffen sich die Bötensener zum Klönschnack – bei gutem Wetter auf der Außenterrasse.

Reise von Dorf zu Dorf

Ebenfalls 2019 fand schließlich der Bundesentscheid von „Unser Dorf hat Zukunft“ statt. Aus knapp 1900 Dörfern aus ganz Deutschland schafften es 30 von ihnen in die große Finalgruppe des 26. Bundeswettbewerbs – eines davon war Bötersen. Jan Hendrik weiß noch, dass die Zeit davor schon ein wenig stressig war. Neben einer Checkliste, die ausgefüllt werden musste, galt es außerdem den dreistündigen Besuchstermin zu koordinieren. Denn die Bewertungskommission reist zur Begutachtung der teilnehmenden Dörfer vier Wochen lang von Dorf zu Dorf. Dabei schaut sie sich die Entwicklungskonzepte und wirtschaftliche Initiativen, soziale und kulturelle Aktivitäten, Baugestaltung und Siedlungsentwicklung sowie die aktive Beteiligung der Bürger:innen an der Planung und Gestaltung des Dorfes sowie seiner Umgebung an. „Wir als Orga-Team haben koordiniert, dass an unserem Besuchstermin – einem Dienstagmorgen um 10 Uhr – das ganze Dorf voll belebt war und die wildesten Dinge passiert sind“, erinnert sich Jan Hendrik lachend.

Der Wettbewerb bringt Menschen zusammen

Neben sieben weiteren Dörfern bekam Bötersen die Goldmedaille verliehen und damit ein Preisgeld von 15.000 Euro. Mit mehreren Bussen fuhren die Einwohner:innen zum Abschluss im Januar 2020 für mehrere Tage zur Siegerehrung auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin. „Die Stimmung auf der Abschlussparty war mega“, ist Jan Hendrik noch heute begeistert.

Was Bötersen von „Unser Dorf hat Zukunft“ außer der goldenen Auszeichnung mitgenommen hat? „Wir als Dorf haben an der Sache total gewonnen. Dass der Wettbewerb so akzeptiert wurde und das über einen so langen Zeitraum von fünf Jahren, damit hätten wir nicht gerechnet“, freut sich Jan Hendrik. „Er hat viele Menschen bei uns in der Gemeinde zusammengebracht und die Projekte laufen weiterhin. Durch Corona war das Ganze natürlich nun etwas erschwert, aber man sieht immer noch die Spuren und es sind viele Leute aktiv.“

Gut zu wissen

Du hast Lust, an „Unser Dorf hat Zukunft“ teilzunehmen? Hier findest du die Antworten auf die wichtigsten Fragen zum Wettbewerb:
  1. Wer darf teilnehmen?
    Dorfgemeinschaften und Gemeindevertretungen mit Orten oder Ortsteilen bis zu 3.000 Einwohner:innen.
  2. Wie kann man teilnehmen?
    Interessierte Dörfer wenden sich an die zuständige Kontaktstelle in ihrem Bundesland. Vielerorts gibt es darüber hinaus Ansprechpartner auf Kreisebene. Dort erhält man weitere Informationen zum Anmeldeverfahren.
  3. Was bringt meinem Dorf die Teilnahme?
    Durch die Teilnahme am Dorfwettbewerb werden in den Dörfern viele Entwicklungen angestoßen, die für die Bewohner:innen ein großer Gewinn sind – ganz gleich, wie die Platzierung ausfällt. Allein Teilnahme schweißt die Bürger:innen vor Ort zusammen und macht für alle sichtbar, wie viel im Dorf bereits passiert ist und worin die Besonderheiten liegen.
  4. Was gibt es zu gewinnen?
    Die Golddörfer erhalten ein Preisgeld von jeweils 15.000 Euro, die Silberdörfer von je 10.000 Euro und die Bronzedörfer von je 5.000 Euro. Außerdem gibt es noch Sonderpreise in Höhe von 3.000 Euro zu gewinnen.

    Weitere Fragen und Antworten findest du hier.

Hier kannst du dir den gesamten Beitrag noch einmal auf Platt anhören:

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