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Fotos: Sahnefoto (1), privat (6)

Nicole Sarripapazidis aus Helmstedt führt ein einzigartiges Unternehmen. Sie schneidert Kuschel-Puppen mit Handicaps für Kinder mit Behinderung.

Sie haben einen Herzfehler, ein Hörgerät oder eine Magensonde. Nur eben im Kleinformat. Die „Handicap Dolls“ von Nicole Sarripapazidis aus Grafhorst im Landkreis Helmstedt sind Kuschel-Puppen mit Behinderungen. Eigentlich sind sie aber noch viel mehr: Die Puppen helfen Kindern dabei, besser mit ihrer körperlichen Einschränkung zu leben und sie als Teil ihres Lebens zu akzeptieren, sich mit ihr anzufreunden.

Wie auch bei Lina. Ihre Füße haben seit ihrer Geburt eine Fehlstellung. Sie sind nach innen gedreht, sodass sie auf ein Bein-Orthesen angewiesen ist. „Lina hasste ihre Orthesen, die sie täglich tragen muss“, berichtet Nicole. In Handarbeit fertigte die 42-Jährige ihr deshalb eine Puppe an und schaffte damit ein Ebenbild von Lina. Nicht nur optisch gleicht die Puppe dem Kind, auch das Handicap ist identisch. Die Orthese für Linas Puppe wurde in einem Sanitätshaus in Braunschweig angefertigt. „Damit die Puppe authentisch ist, machte mir ein Orthopädie-Techniker einen Gipsabdruck des Puppenbeins, so konnte sie im Sanitätshaus maßgefertigt werden.“

Dank ihrer Puppe hat Lina ihre Orthesen mittlerweile lieben gelernt. Denn auch ihrer Puppe kann sie die Orthesen aus- und anziehen. „Mich berührt das sehr“, sagt Nicole. „Dass aus Hass Liebe werden kann.“

Nähen mithilfe von Tutorials

Das Anfertigen der Handicap Dolls ist zeitaufwendig und erfordert viel Liebe zum Detail – eine Herausforderung für Nicole, die zuvor noch nie an einer Nähmaschine saß. „Ich konnte noch nicht einmal einen Knopf annähen. Darum musste sich mein Mann kümmern“, gibt sie lachend zu. Doch sie eignete sich das Know-How an, schaute Tutorials im Internet und schneiderte einfach drauf los. „Ich war selber baff, als ich dann meine erste, fertige Puppe in den Händen hielt.“

Ein Ebenbild des Kindes

Etwa acht bis zehn Stunden benötigt Nicole, bis eine Puppe fertig ist. Bevor sie mit dem Anfertigen beginnt, benötigt sie Infos über die künftigen Puppen-Besitzer:innen. „Wenn ein Auftrag kommt, telefoniere ich mit der Familie. Sie erzählen mir ihre Geschichte und ich kann eine Bindung zu ihnen und dem Kind aufbauen“, beschreibt Nicole. „Dann schicken sie mir Fotos.“ Darauf erkennt Nicole die Haar- und Augenfarbe des Kindes, weiß, ob es eine Brille trägt oder nicht und welche Art der Behinderung es hat. Das ist wichtig, denn die Handicap Dolls sollen ein Ebenbild ihrer kleinen Kund:innen sein – sozusagen ein „Ich 2.0“.

Damit das noch besser klappt, bietet Nicole den Eltern immer an, zu klein gewordene Kleidung des Kindes im Vorfeld an sie zu schicken, wenn sie möchten – etwa das Lieblings-T-Shirt oder eine zu klein gewordene Hose. „Aus der Kleidung zaubere ich dann die Klamotten für die Puppe.“

Puppen als Wegbegleiter

Wie sie dazu gekommen ist, die Handicap Dolls zu nähen? „Ich betreute als Tagesmutter einen schwer körperlich und geistig behinderten Jungen“, erzählt Nicole. Ohne ihn gäbe es „Nicoletta´s Handicap Dolls“ heute sicherlich nicht.

„Ich nähte gerade an einer Puppe für ihn und suchte im Internet nach Kleidung“, sagt sie. „Beim Recherchieren wollte ich herausfinden, ob es generell Puppen mit Behinderungen zu kaufen gibt.“ Doch alle Puppen, die Nicole fand, waren zwar ohne Makel, dafür aber nicht authentisch. Das wollte sie ändern – und das hat sie auch. Mit ihren Handicap Dolls schenkt sie Kindern einen Wegbegleiter, einen Freund.

Text: Adele Stevens

Weitere Infos:

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