Kategorien: Natur & Umwelt

Unverpackt-Läden sind seit einigen Jahren im Trend. Mit ihrem Marktwagen bieten Jacqueline und Stefanie Dietz seit Anfang 2021 ein unverpacktes Sortiment auf einigen Wochenmärkten in Schleswig-Holstein an.

Die beiden Schwestern Jacqueline und Stefanie Dietz aus Bad Oldesloe sind ein super Beispiel dafür, dass selbst aus schwierigen Situationen etwas echt Gutes entstehen kann. Denn als Anfang 2020 die Corona-Pandemie dazu führte, dass die allermeisten Aufträge ihres Caterings „Des Teufels fette Beute“ abgesagt werden mussten, fassten sich die Schleswig-Holsteinerinnen ein Herz. Sie setzten eine Idee um, die bereits länger in ihren Köpfen herumgeisterte, für die vorher aber einfach keine Zeit da war. „Wir hatten ein Hirngespinst und haben gedacht, man müsste einen Unverpackt-Laden auf Rädern haben. Denn das große Problem von Unverpackt-Läden ist häufig der Standort. Sie sind zum Teil nicht dort verortet, wo die Leute Lebensmittel regulär einkaufen. Und außerdem sind die Mieten für die Läden häufig das, was richtig reinhaut“, erklärt Jacqueline den Ursprung ihrer Idee.

Vom Foodtruck zum Catering

Tatsächlich hatten die 32-Jährige und ihre Schwester Stefanie (38) bereits Erfahrungen mit Marktwagen, da sie vor der Gründung ihres Caterings seit 2014 mit einem Foodtruck unterwegs waren. In diesem gab es verschiedenste regionale, selbstgemachte Angebote in bio-Qualität – von Falafel über Pommes bis hin zu Kartoffelpuffern war alles dabei. Stefanie hat schon lange davor in der Gastronomie gearbeitet und schließlich im Veranstaltungsmanagement große Caterings geplant. Jacqueline hat Kommunikationsdesign studiert. „Der Foodtruck war meine Abschlussarbeit – seitdem hat sich das alles so weiterentwickelt“, sagt sie lachend. Jahrelang liefen der Foodtruck – den sie mittlerweile verkauft haben – und irgendwann auch das Catering als Nebentätigkeit. Bis die Schwestern beschlossen, ihre hauptberuflichen Jobs an den Nagel zu hängen und voll in die Selbstständigkeit mit ihrem Catering „Des Teufels fette Beute“ mit regionalen und saisonalen Angeboten zu gehen. Drei Monate später kam der erste Lockdown.

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Fotos: Lisbeth Lose (6)

Ein ausgedienter Bäckereiwagen

„Wir benötigten einen Plan B, um über die Runden zu kommen“, erinnert sich Jacqueline. Das war der Unverpackt-Laden auf Rädern, in dem die Schwestern die vage Idee, die sie hatten, mit ihrer Foodtruck-Erfahrung zusammenbringen wollten. Und dann ging es auch schon los: Relativ schnell waren sich die beiden einig, dass sie einen ausgedienten Bäckereiwagen kaufen wollten, weil dieser sich am einfachsten für ihre Zwecke umbauen ließ. „Alle anderen Wagen haben meist eine große Kühltheke, die wir nicht brauchten“, beschreibt Jacqueline. Parallel zum Ausbau des Wagens, der auf dem elterlichen Hof in der kleinen Hobbytischlerei des Vaters stattfand, wählten Jacqueline und Stefanie Händler:innen und das Sortiment aus: „Wir hatten zum Glück etwas Erfahrung, weil wir beide bei uns im Ort in einem Bio-Laden gearbeitet haben, der auch eine Unverpackt-Abteilung hat.“

Basics und etwas Extravaganz

Das Anfangssortiment des Unverpackt-Wagens haben die Dietz-Schwestern seit dem Start auf dem Markt in Reinfeld im Februar 2021 stetig erweitert. Mittlerweile finden die Kund:innen im Prinzip alles, was man auch im Supermarkt kaufen kann: Von Nudeln und Reis über Trockenfrüchte, Linsen und Bohnen, Nüsse, Backzutaten, Naschkram, Getreide und Mehl, Müsli, Essig und Öl, Kaffee und Tee sowie verschiedenste Gewürze bis hin zu Naturkosmetik, Wasch- und Putzmittel sowie Haushaltswaren ist alles dabei. Alle Produkte sind bio. Dadurch, dass die Platzsituation im Wagen begrenzt ist, können Jacqueline und Stefanie nicht die breite Palette wie in einem Unverpackt-Laden oder einem Supermarkt anbieten. Das bedeutet, dass sie beispielsweise nicht 20, sondern 5 verschiedene Sorten Nudeln dabeihaben. Außerdem fokussieren sie sich auf Qualität, wie Jacqueline erklärt: „Wir konzentrieren uns auf die Basics plus ein bisschen Extravaganz und dabei entscheiden wir uns immer für die qualitativ hochwertige Ware. Wenn man im Supermarkt die Wahl hat zwischen gut oder günstig, dann entscheiden wir uns immer für gut.“

Schwierige Namensfindung

Bevor es mit dem Wagen richtig losgehen konnte, musste auch noch ein passender Name her. Das war gar nicht so einfach. Denn obwohl die Begriffe „lose“ und „unverpackt“ viele Möglichkeiten für Wortspiele hergeben, kamen die Schwestern auf keinen grünen Zweig. „Immer, wenn uns etwas gefiel, haben wir das gegoogelt und mussten feststellen: gibt es schon“, weiß Jacqueline noch ganz genau. Deshalb fiel irgendwann nach einer frustrierenden Such-Session die Entscheidung: Es soll ein kompletter Eigenname werden, den es in dieser Form noch nicht gibt. „Und dann sind wir bei Lisbeth Lose gelandet, obwohl keiner von uns Lisbeth heißt“, meint sie schmunzelnd. Als der Name endlich feststand, entwarf Jacqueline das Logo und die Website. Die Schwestern haben „Lisbeth Lose“ dementsprechend komplett in Eigenregie auf die Beine gestellt. „Das ist schon ein tolles Gefühl“, findet Jacqueline, „aber es war auch sehr anstrengend.“

Bunt gemischte Kundschaft

Doch die viele Mühe hat sich mehr als gelohnt! Das Konzept, das es in Deutschland auch an anderen Orten gibt, und mit dem die Dietz-Schwestern in Schleswig-Holstein die Ersten waren, kommt bei den Marktbesucher:innen richtig gut an. Die Kundschaft ist – wie die Dietz-Schwestern von Anfang an gehofft hatten – bunt gemischt. Nicht nur die klassischen Unverpackt-Einkäufer:innen kaufen bei „Lisbeth Lose“ ein, sondern auch älteres Publikum, des es spannend findet, Produkte wie früher wieder lose einzukaufen. Außerdem sind Kund:innen dabei, denen zwar die Unverpackt-Idee egal ist, die jedoch die die Hochwertigkeit der angebotenen Ware überzeugt. Und schließlich sind viele Marktbesucher:innen davon begeistert, dass sie durch das Angebot bei „Lisbeth Lose“ auf dem Wochenmarkt alles bekommen, was sie benötigen, und sich den Besuch im Supermarkt sparen können.

Pläne für die Zukunft

Mittlerweile ist die Nachfrage so groß, dass Jacqueline und Stefanie gerne mindestens einen weiteren Wagen aufbauen würden. Das ist allerdings noch ein wenig Zukunftsmusik. „Mit der Logistik, dem Sortiment und auch der Erfahrung, die wir haben, würde es sich sehr lohnen. Das scheitert im Moment aber in erster Linie an den Investitionskosten und in zweiter Linie am Personal“, erklärt Jacqueline. Bereits mit dem einen Wagen sei es manchmal schwierig, diesen mit genügend Personal zu besetzen. „Sowohl für Lisbeth Lose als auch für unser Catering würden wir uns über weitere Teammitglieder freuen.“ Denn sie hätten zwar in der Küche Unterstützung, aber „eigentlich sind wir noch ein kleiner Zwei-Frau-Betrieb. Zu Corona-Zeiten haben wir da nicht so drüber nachgedacht, dass wir uns irgendwann aufteilen müssen, wenn das Catering wieder starten kann.“

Klönschnack auf dem Markt

Wer einen kleinen Teil der Angebote des Caterings einmal testen möchte, kann das übrigens auch bei „Lisbeth Lose“. Denn eine kleine Frischetheke mit hausgemachten Speisen ist im Unverpackt-Wagen mit dabei. Dienstags steht der Wagen auf dem Wochenmarkt in Plön, mittwochs an geraden Kalenderwochen im Hasenweg in Lübeck und an den ungeraden in Bad Oldesloe. Freitags findet man „Lisbeth Lose“ in Reinfeld und an Samstagen auf dem Wochenmarkt Am Brink in Lübeck. „Auf dem Markt ist es einfach immer super nett“, freut sich Jacqueline. „Der Tag geht schnell rum, man kann mit allen ein bisschen Klönschnack halten – das ist ein sehr schönes Arbeiten durch die Menschen, mit denen man Kontakt hat. Was ich zusätzlich an unserer Arbeit schätze, ist die Freiheit der Selbstständigkeit und der Stolz auf die Sache. Ich sitze morgens in unserem eigenen Verkaufswagen, fahre auf den Markt und verkaufe unsere eigenen Produkte, das ist natürlich echt schön!“

Hier gibt’s den Beitrag auf Plattdeutsch zum Anhören:

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