In ihrem Gastbeitrag beschäftigt sich Silja Stelzner mit dem Thema, wie es ist, Weihnachten als kinderloses Paar zu verbringen. Ihr Eindruck: An Kindern kommt man zur Weihnachtszeit scheinbar nicht vorbei … Sie appelliert an ein wenig mehr Empathie rund ums Fest der Feste. Denn egal, ob ungewollt oder gewollt kinderlos, ob verwitwet, geschieden oder Single: Ist Weihnachten nicht vor allem das Fest der Liebe?

Text: Silja Stelzner

Die Weihnachtsplanung läuft wie jedes Jahr im Bekanntenkreis auf Hochtouren. Welches Kind bekommt welche Geschenke, was steuern Oma und Opa bei, wann kommen die Schwiegereltern ihre Enkel besuchen und wann findet das nächste familiäre Plätzchenbacken statt …

Ich erinnere mich an die weihnachtlichen TV-Werbespots aus den vergangenen Jahren. Bunt, harmonisch, Friede, Freude, Eierkuchen – oder besser Kinder-Schokolade. Ein Tannenbaum, viel Schokolade und glückliche Kinder, die strahlend ihre Geschenke auspacken. „Was wäre Weihnachten ohne Kinder?“, fragte die Stimme des Werbespots für Kinder-Schokolade. Obwohl mir die Doppeldeutigkeit dieser Frage bewusst ist, da „KINDER“ ja nun mal ein Markenname ist, höre ich trotzdem den Unterton, der leise mitschwingt, nämlich, dass Weihnachten das Fest der Kinder ist.

Weihnachten ohne Kinder als Privileg?

Ja, was wäre Weihnachten ohne Kinder? Die Frage hallt seit Jahren in mir nach. Der Konjunktiv in diesem Satz ist allerdings für mich und meinen Mann nicht existent. Wir fragen uns vielmehr jedes Jahr: „Was IST Weihnachten ohne Kinder?!“ Die Antwort auf diese Frage kennen wir, denn als kinderloses Paar – die Gründe wären an dieser Stelle zu persönlich – wissen wir natürlich, wie Weihnachten ohne Kinder ist. Alle Jahre wieder quasi. Kinderlos Weihnachten zu feiern, haben viele in unserem Freundeskreis lange als Privileg gesehen. Sie sind in den Urlaub geflogen, in die Sonne, haben Weihnachten „unter Palmen“ verbracht, wie es so schön heißt. Aber die Jahre vergingen und irgendwann waren aus diesen Paaren auch Familien geworden. Kinderlos übrig geblieben sind wir.

Die Vorweihnachtszeit ist nicht nur voller Vorfreude

Natürlich verbringen wir Zeit mit unseren Eltern und unseren Geschwistern, die aber auch größtenteils Nachwuchs haben und dann schon anderweitig in ihren Schwiegerfamilien verplant sind. Eine Situation, die auch andere kinderlose Paare kennen. Die Vorweihnachtszeit ist eben nicht nur eine Zeit voller Vorfreude, sondern auch eine Zeit, in der Ängste, Selbstzweifel, Konfrontation, Traurigkeit und Unruhe aufkommen. Nicht nur die Frage, wie man die drei Festtage gestaltet, ohne in glänzende Kinderaugen zu schauen, taucht auf. Nein, auch die große Frage nach dem Sinn, dem Zweck der eigenen Existenz und der eigenen Zukunft bis ins hohe Alter suchen sich während der Adventszeit still und heimlich ihren Weg in die Gedanken. Manche Paare versuchen weiter, Kinder zu bekommen, andere denken an Adoption und wieder andere haben ihr Schicksal akzeptiert. Mehr oder weniger. Was aber nicht heißt, dass Weihnachten einen dann nicht enorm triggert und nicht regelmäßig daran erinnert, dass man auch dieses Jahr wieder ohne Kind am Weihnachtsbaum sitzen wird.

Konfrontation mit dem eigenen Schicksal

Alle Jahre wieder wird man so mit seinem Schicksal konfrontiert. Ob in der Werbung, im Supermarkt, auf dem Weihnachtsmarkt, beim Familienessen, überall. Man kann dem nicht entkommen. Auch die vermeintlich gut gemeinte Frage, wie das denn überhaupt sei, Weihnachten ohne Kinder („Ich kann mir das gar nicht mehr vorstellen!“) oder Aussagen wie „Seid doch froh, ihr könnt machen, was ihr wollt“, sind wenig hilfreich. Zusätzlich zu den Sprüchen, die man bzw. frau sich regelmäßig (meist von Männern) anhören darf, mündet das Jahr so meist in einer emotionalen Achterbahnfahrt: Verspürt man mal ein wenig Übelkeit kommt ein „Na…???“ mit einem bedeutungsvollen Augenzwinkern. Ein negativer Corona-Schnelltest wird kommentiert mit „schwanger bist du nicht“, und dann dreht man sich einfach wortlos um, geht weg und verspürt nur eines: Hilflosigkeit.

Weihnachten ist das Fest der Liebe

Ein wenig Empathie könnte helfen in dieser Zeit der Besinnung. Wir alle könnten ein wenig mehr nach links und rechts schauen, denn ist diese Zeit nicht genau dafür da? Egal ob jemand (ungewollt) kinderlos ist oder nicht, ob jemand Single ist, geschieden, verwitwet oder aus irgendwelchen anderen Gründen die Festtage mehr oder weniger allein verbringen muss, vielleicht schauen wir uns alle ein wenig mehr um, ob nicht noch Platz an der weihnachtlichen Festtafel für jemanden ist, der nicht zur Familie gehört. Denn auch wenn Weihnachten das Fest der Kinder sein mag, so ist es immer noch das Fest der Liebe. Ein Fest, das niemand allein, einsam oder traurig verbringen sollte.

Hier gibt’s den Beitrag noch einmal auf Platt für die Ohren:

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