Brücke am Teich vor Gutshof

Fotos & Text: Esther Hell (11)

Gut Schwechow ist in der Schnapsbrennerszene wegen seiner ausgezeichneten Obstbrände bekannt. Doch wie kam es eigentlich zur Brennerei und was haben die Neubesitzer, die seit fünf Jahren dem Gut eine Verjüngungskur verpassen, noch vor? Diesen Fragen geht unsere Autorin Esther Hell bei ihrem Vor-Ort-Termin auf die Spur.

Es ist Anfang Februar und das farbenfrohe Einheitsgrau der letzten Tage weicht gerade der Sonne, die sich ihren Platz am Himmel zurück erobert. Ich sitze im Auto, Richtung Gut Schwechow und fahre von Lauenburg, meiner Neuheimat, über die B 5 immer geradeaus. Dabei passiere ich die alte deutsch-deutsche Grenze, und zack bin ich im landschaftlich reizvollen Naturpark Mecklenburgisches Elbetal. Hier liegt das Gut Schwechow, bekannt wegen seiner prämierten Obstbrände. Ich muss gestehen, die Recherche gestaltete sich im Vorfeld etwas schwierig und es ging mit wenigen Infos im Gepäck zu meinem Termin. Aber deshalb bin ich umso neugieriger, wer und was mich da vor Ort in Pritzier – urkundlich erstmals 1229 erwähnt – erwarten wird.   

Ankunft mit Hofstaatempfang

Als sich der Wald lichtet und mich die Bundesstraße vorbei an Obstplantagen führt, gehe ich nochmal meine Infos im Kopf durch: Das Gut wurde nach der Wende 1991 von einem großen Safthersteller gekauft, hergerichtet und eine Schnapsbrennerei mitetabliert. Das Hauptaugenmerk lag allerdings immer auf den großen Obstplantagen und der Fabrik, die hier aufgrund des Platzes und des eigenen Obstanbaus neben dem Gut errichtet wurde. Ich fahre der Beschilderung nach und bin fast schon überwältigt, als mich mein Weg durch eine imposante eiserne Toreinfahrt führt, über eine kopfsteingepflasterte Straße, vorbei an einem herrschaftlichen Gutshaus, zum nicht weniger schön hergerichteten Hofladen. Vor mir erstrecken sich zwei Teiche, in der Mitte führt ein Weg entlang zu den angrenzenden Plantagen. Die Sonne blinzelt durch die noch unbelaubten Bäume hindurch und lässt den Raureif auf den Bäumen und Sträuchern glitzern. Ich muss gestehen, ich könnte noch ewig in meinem Auto sitzen und den Blick genießen, aber vor meiner Tür macht sich ein kleiner Hofstaat für meine Begrüßung bereit. Zwei Golden Retriever warten neugierig und mit großen Augen, bis ich ausgestiegen bin und geleiten mich zum Hofladen. 

Die Schiebetüren öffnen sich und für mich geht es in einen modern eingerichteten Laden, mit allerlei selbstgemachten und regionalen Produkten. Nur das Weinsortiment ist zugekauft – von überall her. Das angrenzende Café ist in ein warmes Licht getaucht und mit seinem Mix aus alt und modern passt es in die Zeit. 

Herausforderungen offen gegenüber stehen 

Ich bin etwas zu früh. Vor dem Laden schiebt eine junge Frau einen Kinderwagen hin und her. Im Gespräch stellt sich heraus, dass es sich um Luisa, die Besitzerin der beiden Hunde und des Guts handelt. Sie erzählt mir, dass vor fünf Jahren der Saftproduzent von nebenan auf die Familie Albers zuging und ihnen das Gut zum Kauf anbot. Im Familienrat wurde abgestimmt, ob man sich der Herausforderung stellen wollte und so übernahm man das Gut inklusive Brennerei. Rentabel war die Schnapsbrennerei bis zu dem Zeitpunkt nicht, aber das sollte sich ändern. Luisa zeigt mir das Herzstück, das ehemalige Taubenhaus, in dem sich heute die Brennerei befindet. Beim Eintreten kommt mir dieser typische Geruch von Alkohol entgegen und beamt mich geruchsmäßig kurzzeitig zurück in meine Kindheit, auf den Hof meiner Freundin, die auch mit einer Brennerei aufwuchs.

Rundgang mit Prinzessin-Moment 

Und während ich mir die riesigen Brennöfen anschaue, stößt Mirko Beuke, der Betriebsleiter und meine eigentliche Verabredung, zu uns. Er übernimmt die weitere Führung. Mit ihm hat sich die Familie einen erfahrenen Mann ins Boot geholt. Zwar hatte er bis zu dem Zeitpunkt keine Ahnung vom Schnapsbrennen, aber er ist ein Autodidakt und ein Macher, mit vielen Ideen – was ich noch bei meinem Rundgang mit ihm feststellen werde. Das Gut besteht aus vier Gebäuden: Da wäre einmal das imposante Gutshaus, der Hofladen mit Café, die Brennerei, mit Sitz im ehemaligen Taubenhaus und das Veranstaltungsgebäude. Hier wird im Keller die Maische zum Weiterverarbeiten bzw. Brennen hergestellt und die fertigen Brände gelagert. Der obere Teil ist komplett ausgestattet für Veranstaltungen jeglicher Art. Vor allem der Balkon hat es mir angetan, nicht nur, dass sich das Gut und die Obstplantagen in die eine Richtung überblicken lassen, in mir kommt auch gleich diese Prinzessinnenattitüde hoch und ich huldige meinem imaginären Fußvolk mit der typischen Queen-Geste. 

Erwacht aus dem Dornröschenschlaf

Mirko hat auf jede meiner Fragen eine passende Antwort und oft eine Geschichte parat. Es ist kaum vorstellbar, dass dieses hübsche Fleckchen vor fünf Jahren, bei der Übernahme völlig verwildert war. Die Teiche mussten vom Gestrüpp befreit werden, die Wege rundherum wurden befestigt und die etwas in die Jahre gekommene Parkbeleuchtung wieder zum Laufen gebracht. Der Hofladen wurde komplett entkernt und die bis zur Decke gekachelten Wände gegen eine moderne Vintage-Einrichtung getauscht. Natürlich stieß die Umstrukturierung und der frische Wind, der durch die neuen Besitzer und Mirko Beuke durch die Gemäuer wehte, nicht bei allen Mitarbeitern auf Zuspruch, aber die Ideen und die Modernisierung geben der Familie recht. Mittlerweile kann sich das Gut fast selbst tragen und spricht mit der Erweiterung des Sortiments auch eine breitere Bevölkerungsgruppe an. Neben den klassischen Obstbränden wird immer wieder Neues ausprobiert und so findet sich auch Bananenschnaps im Repertoire und eine Vielzahl an Likören.

Wohldosiertes Wachstum 

Dem gebürtigen Sauerländer ist es wichtig, dass das Unternehmen langsam, aber stetig wächst. Er hält nichts von zu viel Werbung, zu schnellem Wachstum, denn dem wären das Gut und auch die Mitarbeiter gar nicht gewachsen. Wir umrunden die beiden Teiche, gehen vorbei am Badeanleger, neben der Sauna, und die Sonne gibt ihr Bestes und taucht das Gut in schönstes Licht. Ich werfe Open Airs und mögliche Konzerte und Kunstausstellungen in den Raum. Auch Hochzeiten könnte ich mir hier vorstellen, an Romantik mangelt es dem Fleckchen Erde nicht. Alles gute Ansätze, werde ich gebremst, dafür braucht man aber auch die Ausstattung und das Personal. Punkt für ihn! Nur hat Mirko noch eine andere Vision, er möchte neben Konzerten und Ausstellungen auch das Camping auf dem Gut etablieren. Seit 2022 sind sie im Katalog „Landvergnügen“ vertreten und hatten im letzten Jahr schon einige begeisterte Übernachtungsgäste auf dem Gut. Das soll aber erst der Anfang sein …

Meine persönliche Führung endet im Hofladen. Obwohl ich kein Schnapsfan bin, stöbere ich mich einmal quer durchs Sortiment und erstehe für den einen oder anderen Geburtstag die eine oder andere Flasche besten Destillats. Völlig beseelt verlasse ich diesen Ort und mache mich über die B5 wieder auf den Weg nach Hause und muss erstmal die Eindrücke von diesem irgendwie besonderen Ort sacken lassen.  

Ich komm sicher wieder!  

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