Randi und ihr Mann haben auf dem Weg zum langersehnten Wunschkind gleich mehrere schwere Verluste verkraften müssen. Unterkriegen lassen haben sie sich trotzdem nicht und wurden 2017 Eltern eines wundervollen Regenbogenbabys. Für uns erzählt Randi sehr persönlich von ihrem schwierigen Weg und warum es währenddessen nicht immer von Vorteil war, dass sie in einem Dorf im Norden von Schleswig-Holstein leben.

Teil I

Meine Vorstellung vom „Erwachsenensein“ war immer klar: Mann, Haus, zwei Kinder. Mann und Haus hatte ich in der Tüte. Mitte 2013 sollte auch das letzte Thema in Angriff genommen werden. Nach einigen erfolglosen Zyklen haben wir aufgrund einer anderen Diagnose erahnen können, dass es für meinen Mann und mich schwierig werden würde, auf natürlichem Wege ein Kind zu bekommen.

Anfang 2015 habe ich das Problem mit meiner Frauenärztin besprochen und wir haben schnell den Entschluss gefasst, direkt in einer Kinderwunschklinik vorstellig zu werden. Die „richtige“ Klinik zu finden war nicht so schwer, denn wenn man „ab vom Schuss“ wohnt, bleiben einem im Bundesland Schleswig-Holstein nicht viele Möglichkeiten. So forderten wir die ersten Unterlagen bei einer Kinderwunschklinik in Kiel an (Entfernung von unserem Wohnort ca. 90 km einfache Fahrt).

Die Haltung der Krankenkassen

Voraussetzungen für eine Kinderwunschbehandlung in Deutschland: nur verheiratete Paare bekommen die Kosten einer Kinderwunschbehandlung von der Krankenkasse zu 50 % übernommen. Die WHO definiert „Kinderlosigkeit als Krankheit“ und fordert, es für Mann und Frau als Menschenrecht anzusehen, eine Familie gründen zu können. Die Krankenkassen sehen das leider anders. Die Untersuchungen, ob ein Mann oder eine Frau unfruchtbar ist, werden vollständig von der Krankenkasse übernommen. Wenn das Ergebnis einer Unfruchtbarkeit allerdings vorliegt, sieht es mit der Kostenübernahme anders aus. Zu den psychischen Problemen eines Paares in dieser Situation kommen nun auch die finanziellen Aspekte ins Spiel. Es werden in der Regel 50 % von der Krankenkasse übernommen. Dafür muss man allerdings einige Voraussetzungen erfüllen, u. a.: Das Paar muss verheiratet sein. Und es gibt eine Altersbeschränkung – Frauen müssen zwischen 25 und 40 Jahren, Männer zwischen 25 und 50 Jahre alt sein.

Hieß für mich: Es gab keinen romantischen Heiratsantrag, sondern die Entscheidung, im Februar 2015 standesamtlich zu heiraten. Fast so romantisch wie aus steuerlichen Gründen Ende Dezember zu heiraten … (Trotzdem hatten wir eine wundervolle Hochzeit.)

Romantik auf höchster Stufe

Unser erstes Gespräch in der Kinderwunschklinik fand Anfang Februar statt. Wartezimmersituationen sind im Allgemeinen unangenehm. Man stellt sich in solchen Situationen gerne vor, was derjenige nun beim Arzt will. In einer Kinderwunschklinik weiß jeder von jedem, was Sache ist.

Aufgrund der vorherigen eindeutigen Diagnose mussten bei mir nur einige Pro-Forma-Untersuchungen unternommen werden. An unserem Hochzeitswochenende bin ich am Freitag zur Eileiterspiegelung in die Klinik, Samstag haben wir geheiratet und am Montag sind wir wieder in die Klinik, um alles Weitere zu besprechen. Romantik auf höchster Stufe.

Die Kosten der Kinderwunschbehandlung sind steuerlich absetzbar … willkommen in Deutschland! Dazu zählen Fahrtkosten, Medikamente, etc. Die IVF-Behandlung bedeutet natürlich eine starke Hormonbehandlung. Zwischendurch darf man ca. 1- bis 2-mal die Woche zur Blutentnahme und Ultraschallkontrolle in die Klinik fahren. Hätte ich nicht so einen tollen Arbeitgeber und verständnisvolle Kolleg:innen gehabt, wüsste ich nicht, wie man das hätte wuppen sollen.

Offener Umgang mit dem Thema

Mit Geheimhalten war hier nichts. Es wurde natürlich viel auf dem Dorf gemunkelt, warum wir nun so schnell und spontan geheiratet haben. Wir haben dies sehr offen kommuniziert, da man auf „dem Dorf“ eh nicht viel für sich behalten kann. Bevor irgendwelche anderen Spekulationen aufkamen, sind wir lieber sehr offen mit dem Thema umgegangen. Es ist wie mit allen Sachen: Kauft man sich ein rotes Auto, fahren überall rote Autos. Erzählt man von einer Kinderwunschbehandlung, befindet oder befand sich fast jeder auch bereits in solch einer Behandlung oder kennt zumindest jemanden. Wieso es ein Tabuthema ist, weiß ich nicht. Natürlich erzählt man nicht jedem, wann man genau versucht mit seinem Partner ein Kind zu kriegen. Gerade wegen der ganzen Nachfragen und Erwartungen der anderen. Aber eine Kinderwunschbehandlung ist wirklich sehr zeitintensiv und nicht leicht zu verheimlichen, wenn die Klinik nicht direkt um die Ecke ist. Ich hoffe, dass dieses Thema besser aufgearbeitet wird, auch in den einzelnen Frauenarztpraxen.

Die IVF-Behandlung

Im April 2015 erfolgte die erste IVF-Behandlung (In-Vitro-Fertilisation). Man beginnt diese mit der Einnahme eines Nasensprays, welches kostenmäßig bei knapp 100,00 € liegt. Es erfolgt eine engmaschige Kontrolle, zu der man 1-2-mal wöchentlich in die Klinik fahren muss. Hier geht es teilweise nur um eine Blutentnahme oder einen Ultraschall, um zu prüfen, wie sich die „herangezüchteten“ Eizellen entwickeln. Eine Behandlung durch meine Frauenärztin kam hier nicht in Betracht, da diese meist in diesem Gebiet nicht spezialisiert genug sind.

In der letzten Woche der Behandlung, muss man mit einem Pen Hormone spritzen. Es kostet ein wenig Überwindung, aber man weiß, wofür man es tut. Außer einem leichten „Blähbauch“ hatte ich zum Glück keine Nebenwirkungen oder ähnliches. Auch Stimmungsschwankungen konnte ich zum Glück nicht verzeichnen. 36 Stunden vor der Eizellen-Entnahme spritzt man sich ein Hormon, was den Eisprung genau zur Eizellen-Entnahme auslöst. Eine sehr komplexe Therapie. Es konnten mir dann genügend Eizellen entnommen werden. Dieses wird unter einer „Dämmernarkose“ in der Klinik vorgenommen. Leider konnte eine Befruchtung der mir entnommenen Eizellen nicht vorgenommen werden. So hatten wir den ersten Dämpfer hinter uns und sind ohne „Erfolg“ wieder nach Hause gefahren. Der von mir in Gedanken errechnete Geburtstermin, die Vorstellungen wie das Kinderzimmer eingerichtet werden soll, alles wieder hinfällig.

Herzlichen Glückwunsch, Sie sind schwanger!

Wir haben sodann im August einen Versuch mit gefrorenen Eizellen unternommen. Hier liegt die Wahrscheinlichkeit einer „Einnistung“ bei ca. 20 %. Nachdem die Eizellen eingesetzt wurden, muss man zwei Wochen abwarten. Am Tag des „Tests“ fährt man dann zum Blutabnehmen in die Klinik. Um 12:00 Uhr darf man in der Klinik anrufen und erfragen, ob eine Einnistung stattgefunden hat. Hierbei entstand bei mir eine Anspannung, die kaum auszuhalten war. Leider bekamen wir wieder eine negative Nachricht.

Im Oktober konnten wir mit dem übernächsten Zyklus eine weitere IVF-Behandlung beginnen. Ende November wurden mir Eizellen entnommen, diese befruchtet und zwei Tage später zwei Stück wieder eingesetzt. Nun hieß es wieder zwei Wochen abwarten. Am Tag der Entscheidung ging es erneut nach Kiel zum Blutabnehmen, abwarten bis 12:00 Uhr. Ungeduldig wählte ich die Nummer und stellte erneut die Frage: Können Sie mir mein Ergebnis mitteilen? Herzlichen Glückwunsch, Sie sind schwanger! Aber sowas von!

Eine Erlösung! Wir konnten zu Weihnachten unserer Familie und unseren Freunden die freudige Nachricht übermitteln. Zwischen den Tagen hatten wir einen Termin bei meiner Frauenärztin vor Ort. Sie übermittelte uns die eine weitere Nachricht: Sie bekommen Zwillinge!

Diese Nachricht schockt ein Paar, welche sich in einer Kinderwunschbehandlung befindet, natürlich nicht allzu sehr, da die Wahrscheinlichkeit sehr hoch ist. Wir freuten uns umso mehr!

Betretendes Schweigen

In Deutschland ist fast jedes 10. Paar ungewollt kinderlos. Fragen wie: „Wann geht es endlich bei Euch los?“ oder der klassische Nordfriesen-Spruch: „Nie Döör, nie Gören“ kommen meist von Menschen, die selbst mit einem solchen Thema noch nie in Verbindung gekommen sind. Ich frage mich immer, was die Menschen auf solch eine Frage als Antwort erwarten. Wenn man dann nämlich offen ist und beispielsweise antwortet: „Es klappt nicht, da ich unfruchtbar bin“, tritt betretendes Schweigen ein. Wie oft habe ich mir den Moment ausgemalt, die freudige Botschaft meiner Familie und meinen Freunden verkünden zu können. Ich hatte bei jedem Treffen das Gefühl, „wieder versagt“ zu haben, da ich heute keine Neuigkeiten zu berichten hatte.

Geteiltes Schicksal

Die schönsten Erzählungen und Mutmachsprüche sind aber immer die, dass man einfach nicht darüber nachdenken solle,  oder die Freunde meines Schwippschwagers haben mit dem Thema abgeschlossen und dann ist sie direkt schwanger geworden. Nicht über das Thema nachzudenken oder damit abzuschließen, ist für ein Paar, welches sich nichts sehnlicher wünscht, fast unmöglich. Mir hat meine sogenannte „Gebärmutterfreundin“ in dieser Zeit sehr geholfen. Wir kannten uns nur über ein paar Ecken, teilten aber dasselbe Schicksal. Es tat gut, sich miteinander auszutauschen, jemanden während der Behandlung auf dem Laufenden halten zu können und mitzufiebern. Jemand, der die Wartezimmerromantik in der Kinderwunschklinik selbst erlebt hat. Auch der Optimismus meines Mannes hat mir sehr geholfen, als selbsternannte Pessimistin des Jahrhunderts.

Ich hatte eine tolle Schwangerschaft, in der 17. SSW erfuhren wir, dass wir zwei Jungs erwarten.

Hier gibt’s den Beitrag noch einmal auf Platt für die Ohren:

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